Freitag, 2. Oktober 2020

Umweltgefährdung reduziert - Aufräumaktion des BJV Miltenberg in Mainbullau




Seit Beginn meiner Verantwortung als Landrat im Mai 2014 ist die Lösung der Altlastenproblematik rund um die Wurfscheibenschießanlage für mich ein Dauerthema. Ein gleichermaßen schwieriges wie langwieriges…


Gerade für Menschen im Umfeld des Mainbullauer Berges ist die allgemeine Wertschätzung für unser Grundwasser mit einer besonderen Sorge verbunden: Welche Beeinträchtigungen von Boden und Grundwasser sind möglich wegen der Einträge von bleihaltiger Munition sowie von PAK-haltigen Wurfscheiben im Waldboden rund um die Wurfscheibenschießanlage in Mainbullau. Zwar wird seit einem Jahr auf Anordnung des Landratsamtes nur noch mit nicht-bleihaltiger Munition geschossen und hat der Kreisverband Miltenberg des BJV bereits vor Jahren zunächst auf PAK-arme und nach Verfügbarkeit auf PAK-freie Wurfscheiben zurückgegriffen, so bleibt die Sorge der Menschen: Welche Wirkung können die Altlasten im Boden langfristig haben. Diese Sorge der Menschen teile nicht nur ich persönlich, sondern auch das Landratsamt Miltenberg als untere staatliche Behörde. 


Zwei Altlastenprobleme müssen gelöst werden


Zwei Altlastenprobleme belasten sowohl die Natur als auch die Bevölkerung rund um den Mainbullauer Berg und die dortige Wurfscheibenschießanlage. Während bezüglich der bleihaltigen Munition im Boden nach einem langen Rechtsstreit mit dem Kreisverband Miltenberg des Bayerischen Jagdverbandes dieser nun ein Konzept für eine Detailuntersuchung gemäß Urteil des Verwaltungsgerichtshofes in Auftrag gegeben hat, gibt es in Sachen Wurfscheibenreste einen pragmatischen Lösungsansatz: Über 40 freiwillige Helferinnen und Helfer haben am Samstag den Wald auf und neben der Schießanlage des BJV in Mainbullau von Wurfscheibenresten der vergangenen Jahrzehnte befreit. Verantwortlich für diese ehrenamtliche Räumungsaktion ist der BJV-Kreisverband, dessen 32 Helferinnen und Helfern unter Leitung des Vorsitzenden Ralph Keller sich auch Angestellte der Fürstlich-Leiningenschen Verwaltung sowie des Landratsamts Miltenberg anschlossen. Ehrensache für mich, dass ich angesichts der pragmatischen Lösung und des ehrenamtlichen Einsatzes so vieler Menschen gemeinsam mit meinem Stellvertreter Bernd Schötterl wenigstens eine Stunde mitgeholfen habe, um die Vielzahl umherliegender PAK-belasteter Wurfscheibenreste einzusammeln.

Der Bayerische Jagdschutzverein wollte mit der freiwilligen Aktion zeigen, so der Vorsitzende Ralph Keller, dass ihm der Natur- und Umweltschutz am Herzen liegen. Fachlich abgestimmt wurde diese Beräumung mit der Umweltabteilung des Landratsamtes, Sachgebiet Immissionsschutz und staatliches Abfallrecht. Vor dem Hintergrund der jahrelangen Diskussionen um die Belastung durch die Wurfscheibenreste in der Natur meldeten sich auch fünf Angestellte des Landratsamts und der Leiter der Fürstlich Leiningenschen Forstverwaltung, Stefan Beyer, um mitzuhelfen. Stefan Beyer brachte noch einen weiteren Helfer mit, so dass mit über 40 Helferinnen und Helfern das Gelände mehrere Stunden lang effektiv durchsucht werden konnte.

Gefunden wurden im Wald zahlreiche Wurfscheiben, die teilweise schon Jahrzehnte im Wald liegen. Schon bevor der BJV die Anlage betrieb, hielten NATO-Kräfte dort ihren Schießbetrieb ab. Davon zeugen zahlreiche Wurfscheiben aus französischer Produktion, die polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten und neben den vom BJV verwendeten Wurfscheiben im Wald lagen.

Der BJV selbst verwendet nach Worten seines Vorsitzenden schon seit mehreren Jahren keine Wurfscheiben mehr, die polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten. Schon zuvor habe man Wert daraufgelegt, möglichst nur Wurfscheiben mit möglichst niedrigem PAK-Anteil zu verwenden, versicherte Keller. Die Aktion sei „eine sehr gute Sache im Sinne der Verantwortung für Natur und Umwelt“, fanden auch Landrat Jens Marco Scherf und sein Stellvertreter Bernd Schötterl – auch weil alle Wurfscheiben eingesammelt wurden, unabhängig davon, ob sie dem BJV zuzuordnen sind oder aus ehemaligen NATO-Beständen stammten. Der Landkreis unterstützt die Aktion mit der Beprobung und der ordnungsgemäßen Entsorgung des gefundenen Materials.

Die Arbeit im Wald war nicht einfach: Zum einen erschwerte das Suchen am Hang die Arbeit, zum anderen lagen die Wurfscheibenreste zum Teil zentimetertief im Boden, waren von Laub und Geäst verdeckt. „Das ist wie das Suchen von Nadeln in einem riesigen Heuhaufen“, erfuhr Landrat Jens Marco Scherf am eigenen Leib, als er mit Suchstock und Eimer auf der Suche nach den Scheibenresten war. Am Ende landeten rund vier Kubikmeter gesammeltes Material im Container, das nun ordnungsgemäß entsorgt wird.


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