Mittwoch, 29. Mai 2019

Auszeichnung für besondere Schülerinnen und Schüler - Repräsentanten einer ganz besonderen Generation!

Ehrungen für sozial engagierte Schüler in der Herigoyen-Schule.

In der letzten Mai-Woche hatte ich einen ganz besonderen Einsatz - als Schirmherr der Auszeichnung sozial engagierter Schülerinnen und Schüler an unseren Mittelschulen. Im Landkreis Miltenberg wächst eine Schülergeneration heran, die weiß, was soziale Verantwortung heißt – nicht nur in der Schule selbst, sondern auch in Vereinen, Hilfsorganisationen und in der Nachbarschaftshilfe.

Im Beisein vieler Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie Vertretern der Politik, des Schulamts sowie des Sponsors Sparkasse Miltenberg-Obernburg stellte Arbeitskreisleiter Gerhard Ammon heraus, dass die Eltern stolz auf ihre Kinder sein können. In der mittlerweile elften Auflage dieser Ehrung gehe es erneut darum, Engagement wertzuschätzen. „Ihr seid Vorbilder“, rief Ammon den Schülerinnen und Schülern zu, die vielfältig aktiv waren. Sie waren in der Schule unter anderem als Streitschlichterinnen und Streitschlichter, Tutorinnen und Tutoren, Schülerlotsinnen und Schülerlotsen, Schulsprecherinnen und Schulsprecher aktiv, übernahmen aber auch in Vereinen und Hilfsorganisationen Verantwortung – etwa in der Feuerwehr und im Jugendrotkreuz. Sie besuchten Seniorinnen und Senioren in Altenheimen, halfen Nachbarn bei täglichen Erledigungen und zeigten sich als zuverlässige Helferinnen und Helfer.



Beispielhaft: Junge Leute engagieren sich

Für mich ist dies eine besondere Veranstaltung, denn vor elf Jahren wirkte ich noch im Arbeitskreis Schule-Handwerk bei der Initiierung dieser Auszeichnung mit, seit 2014 darf ich als Landrat die Auszeichnungen überreichen. Ich wünsche mir, dass die jungen Menschen ihren Weg weiter gehen. Dass sich die jungen Leute sozial engagieren und zunehmend auch politisch einbringen, ist gut für uns alle. Menschen, die sich engagieren, sind auch glücklicher als solche, die nichts tun, und unsere Betriebe brauchen junge, motivierte Auszubildende.

Etwas Besonderes für eine besondere Generation: Die musikalische Umrahmung oblag der Lehrerband Herigoyen-Schule:


Die Lehrerband der Herigoyen-Schule spielt zu Ehren der ausgezeichneten Jugendlichen

Ein besonderes Lob gab es von unserem Kreisrat und ehemaligen Kreishandwerksmeister Erich Stappel: „Ihr werdet im Handwerk gebraucht“, sagte er und forderte die jungen Leute auf, gut zu überlegen, welchen Beruf sie ergreifen wollen. In der Ausbildung würden sie das Rüstzeug für das spätere Leben bekommen!"

So ist es! Freuen wir uns über unsere Jugend! 👍

Montag, 27. Mai 2019

Die Europawahl im Rückblick - gute Politik braucht Demut, Verantwortung und Gestaltungskraft



Die Europawahl ist mit der europaweit höchsten Wahlbeteiligung aller Zeiten ein klares Signal für Europa!

Die Europawahl ist vorbei, Zeit für einen ersten Rückblick. Mit der Europawahl 2019 geschah eine Wahl historischer Bedeutung. Bedeutend: Die höchste Wahlbeteiligung in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert, auf die gesamte europäische Union bezogen könnte es sogar die höchste Wahlbeteiligung sein, die je das Europäische Parlament erlebt hat. Das ist gut so, denn ist ein überragendes, leuchtendes Zeichen für die Bedeutung für ein starkes, in Frieden und Freiheit geeintes Europa für uns Bürgerinnen und Bürger. Meines Erachtens muss auch die signifikante Anzahl der Europakritiker im Europa-Parlament nicht erschrecken, denn Kritik ist in der Demokratie etwas Bedeutendes und muss ertragen werden, auch Kritik an Europa in seiner jetzigen Form.

Unerlässlich ist es jedoch, dass Politik und deren Verantwortlichen die Zeichen der Zeit verstehen. Ich sehe hier unter anderem:

  • Die hohe Wahlbeteiligung an der Europawahl ist kein Verdienst einer Partei, sondern eine Verpflichtung, ein ausdrückliches Mandat der Bevölkerung: Europa ist wichtig, wendet euch diesem Thema zu und packt die Herausforderungen auf europäischere Ebene an: ein gemeinsamer Klimaschutz, eine gemeinsame Politik von der Handelspolitik bis zur Schaffung von Perspektiven für Afrika und eine gemeinsame Strategie für eine faire Verteilung von Vermögen und Chancen für alle Menschen.

  • Die hohe Bedeutung des Themas Klimaschutz ist kein wahlstrategischer Erfolg der Grünen, und – wie einige Politiker am Wahlabend noch formuliert haben – einem strategischen Versagen von Union oder SPD geschuldet, denn: Der Klimaschutz ist kein „grünes Thema“, er ist ein existentielles Bedürfnis vieler Menschen in Deutschland und Europa, denn sie haben wie viele Wissenschaftler erkannt, dass es hier um unsere Lebensgrundlage und deren Bewahrung geht. Der Klimaschutz, er ist unsere gemeinsame Verpflichtung und Verantwortung. Wir alle müssen handeln, auf europäischer und auf nationaler Ebene, so wie auch wir im Landkreis Miltenberg, begonnen mit dem Nahwärmenetz MIL-Nord, dem Radwegekonzept für den Landkreis Miltenberg oder dem Photovoltaikprogramm des Landkreises Miltenberg. So wie auch jeder einzelne von uns seinen Beitrag leisten muss.

  • Dritte Erkenntnis, mein Wunsch an die Parteien: Hört auf zu vereinnahmen, es gibt weder „grüne Themen“ oder „rote Themen“, es gibt keine „roten Länder“ oder „schwarze Städte“. Wenn Parteien oder Politiker oder gute Wahlergebnisse erzielen, dann ist das keine Bestätigung für einen in der Vergangenheit oft getätigten „Besitzanspruch“ einer Partei, dann ist es ein Mandat, ein Auftrag, der mit Vertrauen verbunden ist. Denn drei grundlegende Faktoren braucht meines Erachtens eine gute, wirkungsvolle Politik, nämlich die Fähigkeiten, ...
... den Menschen zuzuhören und ihre Anliegen sowie die der Gesellschaft zu verstehen!

... dementsprechend verantwortungsvoll zu handeln, Lösungen zu gestalten und umzusetzen!

... Transparenz zu schaffen, wie Vorhaben entschieden und umgesetzt werden!

Besitzansprüche, Siegestriumphe und übertriebenes Konkurrenzdenken gehören nicht zu dem, was Politik braucht.


Foto: © Anna Hornstein 


Politik braucht Demut, Verantwortung und Gestaltungsvermögen!.

Freitag, 24. Mai 2019

Europawahl am 26. Mai 2019 - ein klares Signal aus dem Landkreis Miltenberg für ein vereintes Europa in Freiheit, Frieden und Menschlichkeit

Europawahl 2019 - Wählen gehen!



Liebe Bürgerinnen und Bürger,


am Sonntag sind wir alle aufgerufen zur Teilnahme an der Europawahl 2019. Ich bitte Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, halten Sie die Idee des vereinten Europa hoch – das ist zwar manchmal anstrengend, aber verdammt wichtig. Erinnern wir uns an die europäische Gesichte, die bis 1945 von einer nicht enden zu wollenden Kette an Kriegen mit immer furchtbarer werdenden Folgen für die Menschen geprägt war.

Seit sieben Jahrzehnten haben wir das unfassbare Glück, in einem zunächst im Norden und Westen und Süden in Frieden und Freiheit vereinten Europa, seit 1989 in ganz Europa leben zu dürfen. Der Frieden in Europa und das Miteinander der Völker ist das Fundament der guten Jahrzehnte, die hinter uns liegen.

Tragen wir alle dazu bei, dass wir auch in Zukunft, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder diese Chance haben, in einem friedlichen, vereinten Europa leben zu dürfen. Wir brauchen dieses Europa dringender denn je!

Ein vereintes Europa ist ein starkes Europa


Machen wir uns bei allen Herausforderungen für Europa bewusst: Wir Deutschen brauchen ein vereintes Europa! Ein starkes Europa. Ein Europa, in dem wir das anpacken, was kein Land alleine schaffen kann. Egal ob es die drängende Frage des Klimaschutzes und seiner immer dramatisch sichtbarer werdenden Folgen ist, die Frage der gerechten Verteilung des Vermögens und gerechte Chancen für alle oder die Positionierung Europas und seiner Werte in einer globalisierten Welt mit starken Akteuren wie die USA, China oder Russland.

Wir brauchen zur Sicherung unserer Zukunft und zur Lösung existentieller Herausforderungen ein starkes Europa: Deshalb: Schwarz-Rot-Gold und die Europa-Fahne – das gehört zusammen! Ein demokratisches Deutschland in einem vereinten Europa – das ist unser großes Glück, das ist unsere Chance! Wie es mit Europa weitergeht, das entscheiden Sie an diesem Sonntag.


Ich bin noch immer stolz und dankbar, welch ein klares Zeichen wir im Landkreis Miltenberg im Herbst 2018 bei der Veranstaltung "Wir sind bunt - für Freiheit und Menschlichkeit" für die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gegeben haben. Geben wir dieses klare Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit in einem vereinten Europa auch am Sonntag!


Ich bitte Sie: Gehen Sie wählen und zeigen Sie Flagge für Europa und unsere Werte des Miteinanders in Frieden, Freiheit und Menschlichkeit!

Donnerstag, 23. Mai 2019

70 Jahre Grundgesetz - Frühe Wegbereiter aus unserer Heimat legten die Wurzeln unserer freiheitlichen Demokratie!


Festveranstaltung des Landkreises Miltenberg zu 70 Jahre Grundgesetz

Während Großbritannien ganz ohne Verfassung auskommt, hat unser Nachbar Frankreich bereits mehrere Verfassungen seit 1789 verabschiedet. Die Bundesrepublik feiert dieser Tage 70 Jahre Grundgesetz – eine freiheitlich-demokratische Verfassung, die vor dem Hintergrund zweier Weltkriege und des Nationalsozialismus vor allem die unantastbare Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der Landkreis Miltenberg hat die besondere Bedeutung unseres Grundgesetzes auf meine Initiative hin in einer Feierstunde im Bürgersaal des Historischen Rathauses in Miltenberg gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern und Vertretern aus Kreistag und Gemeinden auf meine Initiative hin gewürdigt. Dabei haben wir auf die historischen Wurzeln unserer freiheitlichen Demokratie hingewiesen, die tatsächlich in unserer Heimat zwischen Rhein, Main und Neckar zu Hause sind.


Denn nach der Katastrophe zweier furchtbarer Weltkriege mit dem Versuch des Nationalsozialismus, neben den Menschen jüdischen Glaubens auch alle Ansätze von Freiheit und Menschlichkeit auszulöschen, gab es historische Wurzeln, auf die die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes nach 1945 zurückgreifen konnten. Denken wir etwa an das Hambacher Fest im Jahr 1832 und das Frankfurter Paulskirchen-Parlament im Jahr 1848. Nicht umsonst fanden diese ersten demokratischen Bestrebungen in unserer Heimat statt. Wie zuerst im Jahre 1970 öffentlich von Bundespräsident Gustav Heinemann erläutert, ist die früheste Wurzel von Freiheit und Demokratie in der Mainzer Republik der Jahre 1792 und 1793 zu finden. Unsere Heimat am Main zwischen Amorbach, Stadtprozelten und Obernburg gehörte damals zum Kurfürstentum Mainz. Diese Mainzer Republik hat ihren Anteil daran, dass sich Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Deutschland verbreiteten. Mit dieser Republik verbunden sind frühe Demokraten wie Felix Anton Blau aus Walldürn, Friedrich Lehne (Mainz) und der aus Obernburg stammende Adam Lux. Dass sich diese Männer für die Werte der französischen Revolution, also für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, auf deutschem Boden einsetzen, ist wenig bekannt.

Als Ergebnis eines Ideenaustausches zwischen mir und dem Historiker und Kreisheimatpfleger des Landkreises Miltenberg, Eric Erfurth, erfuhren 40 Gäste am Freitag bei einer Veranstaltung von Landkreis Miltenberg und Volkshochschule Miltenberg im Alten Rathaus Miltenberg, welchen Beitrag diese Personen für die frühe deutsche Demokratie leisteten. „Die Wiege der deutschen Demokratie liegen in unserer Heimat zwischen Rhein, Main und Neckar“, habe ich die Erkenntnisse des Abends zusammengefasst und konnte mich auch auf das Urteil unseres vormaligen Bundestagspräsidenten Lammert und auf eine Rede von Bundespräsident Steinmeier stützen.

Die Wiege der Demokratie liegt in unserem Landkreis


Der Einfluss der französischen Revolution sei auch in Miltenberg spürbar gewesen, sagte Miltenbergs Bürgermeister Helmut Demel zu Beginn der Festveranstaltung. Die Werte seien in der Bürgerschaft, die damals als renitent gegolten habe, auf fruchtbaren Boden gefallen. Dies zeigt eindrücklich, worauf es neben einer herausragenden Verfassung ankommt: Die beste Verfassung kann ihre Wirkung nur entfalten, wenn es genügend überzeugte Demokrat*innen gibt, die die Verfassung hochhalten, indem sie die Werte überzeugt leben. Deshalb liegt mir so viel an dem wirklich großen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger, etwa bei der Demonstration „Wir sind bunt“ im Herbst 2018. Es ist eindrucksvoll, dass hier 4.000 Menschen aus dem Landkreis Miltenberg und dem Bayerischen Untermain deutlich Stellung bezogen haben für Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Dieses Engagement erleben wir täglich, denn wir haben enorm engagierte Bürgerinnen und Bürger in allen Lebensbereichen. Positiv ist, dass gerade eine junge Generation heranwächst, die großes Wertebewusstsein zeigt und zu großem Engagement bereit ist. Dies erleben wir an unseren Schulen nicht nur in Projekten wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ oder den Fair-Trade-Schulen. Auch beim Thema Natur- und Klimaschutz sind unsere jungen Menschen enorm engagiert. An einem Samstag im März 2019 durfte ich Gast bei einem Klimaprojekt im Schulzentrum Elsenfeld sein. Deswegen unterstützen unsere Schülerinnen und Schüler eben auch glaubhaft die Fridays-for-future-Bewegung, denn sie leben in großer Zahl auch die Überzeugung, mehr für den Schutz unserer Lebensgrundlagen zu tun.

Diesen Bogen vom Engagement junger Persönlichkeiten aus unserer Heimat in der Mainzer Republik bis zum Engagement heute für unsere Demokratie, für unsere Lebensgrundlagen, spann die Festveranstaltung des Landkreises Miltenberg, die Eric Erfurth konzipiert hatte.

Unser Kreisheimatpfleger Eric Erfurth mit mir im Gespräch mit
den drei Akteuren des Abends.


Eric Erfurth stellte die Bedeutung des Raums Rhein/Main/Neckar für die Wurzeln der Demokratie heraus und verwies auf die Protagonisten Blau, Lehne und Lux. Er stellte zudem die Künstler des Abends vor: den Historiker Dr. Jörg Schweigard, den Schauspieler Arne Dechow und den Musiker Bodo Kolbe, die mit Vorträgen, Lesungen und Musik auf die Wurzeln der Demokratie eingingen und Felix Anton Blau, Friedrich Lehne und Adam Lux lebendig werden ließen. Schweigard und Dechow legten dar, wie die Ideale der Französischen Revolution Anklang fanden, Bodo Kolbe lieferte die Musik.

Pressefreiheit auch im 18. Jahrhundert ein wichtiges Thema


Friedrich Lehne atmete als Student in Mainz schnell den Geist der Aufklärung und sympathisierte mit den Idealen der Revolution, als die französischen Truppen im Jahr 1792 Mainz einnahmen. Im sogenannten Jakobinerclub fand er Gleichgesinnte und veröffentlichte viele Gedichte und Zeitungsartikel, in denen er aus seiner Sympathie mit den Werten der Revolution keinen Hehl machte. Die Pressefreiheit war für ihn ein hohes Gut in einem freiheitlichen Staat, das er vehement einforderte. Im Juli 1973 rettete er sich ins französische Exil und kehrte erst 1798 wieder nach Mainz zurück. In der deutschen Vertonung des Marseiller Marsches ließ Bodo Kolbe die revolutionären Gedanken Lehnes auferstehen, ebenso im „Waffenruf an die Bürger des Landes Mainz“ und zwei weiteren Liedern.


Felix Anton Blau, 1754 in Walldürn geboren, wurde Priester und hatte später einen Lehrstuhl in Mainz. Auch Blau war Mitglied des Jakobinerclubs und trat für die Ziele der Französischen Revolution ein. Seine kritische Haltung, wegen der Blau als Landesverräter galt, brachte ihm unter anderem 22 Monate Festungshaft in Königstein ein, ehe er 1795 freigelassen wurde und nach Paris emigrierte. Blau galt als Kritiker der Kirche und wandte sich unter anderem in Schriften gegen den Unfehlbarkeitsanspruch der Kirche. Nach der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich kehrte er wieder nach Mainz zurück und starb im Alter von 44 Jahren.


Lebendiges Bild der Mainzer Republik


Der 1765 in Obernburg geborene Adam Lux, Sohn eines Bäckers, studierte in Mainz Philosophie und lebte in Kostheim bei Mainz. Als die Franzosen in Mainz einmarschierten, sympathisierte er mit den Werten der Revolution und trat dem Jakobinerclub bei. In Paris wurde er Zeuge des Machtkampfs zwischen den gemäßigten und radikalen Jakobinern. Lux, seiner Ideale beraubt, wollte sich als Fanal gegen die Herrschaft der politischen Gewalt öffentlich erdolchen, wurde aber von Freuden davon abgehalten. Nach Verfassen einer revolutionären Schrift musste er vor das Revolutionstribunal und schlug hier bewusst alle Möglichkeiten aus, einer Hinrichtung zu entgehen. So wurde Lux am 4. November 1793 hingerichtet. Wie sehr Lux Eindruck hinterließ, beweist ein Stück von Stefan Zweig, das Lux’ Leben in Bildern darstellt.

Der thematische Abend vermittelte durch das Zusammenspiel der Akteure ein lebendiges Bild der Mainzer Republik und ihrer Protagonisten. Die Bedeutung dieser Republik, des ersten demokratischen Staatswesens auf deutschem Boden, sei noch zu wenig bekannt, fand Jörg Schweigard. Der Bundespräsident habe aber letztes Jahr in Mainz die große Bedeutung dieser Republik hervorgehoben, die den schwierigen deutschen Weg zur parlamentarischen Demokratie markiert habe. Mit einem Dankeschön, begleitet von viel Applaus des Publikums, entließ der Landrat Künstler und Gäste nach spannenden zwei Stunden nach Hause.

Nehmen wir uns das Engagement dieser Persönlichkeiten aus unserer Heimat zum Vorbild für die Zukunft, denn wir müssen uns täglich für unsere Werte, für Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit einsetzen!

Montag, 20. Mai 2019

Die Woche im Landkreis Miltenberg - der Wochenrückblick: Was fridaysforfuture mit unserer freiheitlichen Demokratie zu tun hat!

Jeden Montag möchte ich Ihnen hier einen Wochenrückblick bieten. Keinen Rückblick auf alle Ereignisse und Themen der Woche, sondern ausgewählt eben das, was hängen geblieben ist und am Montagmorgen - wie heute bei der Fahrt im Zug ins Amt - noch die Gedanken bewegt.


Nichts hat die öffentliche Diskussion in der vergangenen Woche so geprägt wie die erste fridaysforfuture - Demonstration im Landkreis Miltenberg. Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen im Landkreis Miltenberg hatten angeregt sowohl von der europaweiten Jugendbewegung als auch von vielen Projekten im Landkreis Miltenberg für Freitag, 17. Mai, auf den Engelplatz nach Miltenberg eingeladen.


Für mich ist der Freitag ein ganz besonderer Tag gewesen: Am Vormittag durfte ich Zeuge sein, wie die Verbandsschule Faulbach mit ihren 300 Schüler*innen genau an diesem 17. Mai ihre Schulverfassung in Kraft hat treten lassen. Etwa zwei Jahre haben sich die Kinder und Jugendlichen an der Grund- und Mittelschule sich mit dem Miteinander im Schulleben auseinander gesetzt. Dieses Engagement erlebe ich in den vergangenen Jahren in besonderer Weise an unseren Schulen, so denke ich hierbei an unsere Projektschulen "Schule gegen Rassismus - für Menschlichkeit" oder an unsere FairTrade-Schulen, genauso wie an viele Klimaschutzprojekte.
So war es für mich selbstverständlich, dass ich am vergangenen Freitagmittag vom Amt über die Brücke gelaufen bin, um mir selbst einen eigenen Eindruck von der ersten fridaysforfuture - Demo zu verschaffen.


Am Engelplatz in Miltenberg erlebte ich vor dem Rathaus über 300 engagierte Kinder und Jugendliche, die ihre Stimme klar und deutlich an die Erwachsenen richteten: Redet nicht mehr Drumherum, sondern unternehmt endlich entscheidende Schritte gegen die drohende Klimakatastrophe. Hochachtung meinerseits für die jungen Menschen, zum einen für die Organisation dieser Demonstration, zum anderen aber auch für die unterschiedlichen individuellen und gelungenen Beiträge!

Dialog mit jungen Menschen


Natürlich werde ich sowohl als Privatperson als auch als Landrat gefragt, wie ich denn zur fridaysforfuture - Bewegung stehe. Meine klare Position lautet:
Angesichts der sich abzeichnenden menschenverursachten Klimaveränderung in diesem Jahrhundert unterstütze ich es absolut, dass die jungen Menschen versuchen, uns endlich aufzurütteln. Angesichts der Umstände, dass wir derzeit unsere Klimaziele krachend zu verfehlen drohen und wir dramatische klimatische Veränderungen befürchten müssen, ist genau jetzt der Zeitpunkt zum Aufwachen.
Die Frage bezüglich "Streik - Unterrichtspflicht" beantworte ich gerne: Lasst uns Erwachsene unserer Verantwortung für unsere Erde, unser Klima und unsere Kinder nachkommen, dann können wir mit den Jungen auch über die Unterrichtspflicht an Freitagen reden - also dann, wenn wir "Alten" unsere Hausaufgaben machen!
Deswegen war es für mich übrigens auch klar, dass ich bei der Zwischenstation der Demonstration am Landratsamt Miltenberg NICHT die Gelegenheit ergreife, als Landrat selbst zu den jungen Menschen zu sprechen. Fridaysforfuture ist eine Jugendbewegung - und hier spricht die Jugend, und wir Erwachsenen hören zu.



Dass wir nicht untätig sind im Landkreis Miltenberg will ich nur in Stichpunkten darstellen:
  • Realisierung des Nahwärmenetz MIL-Nord für das Schulzentrum im Norden Miltenbergs; hier beheizen wir drei Kreisschulen und drei Sportstätten nun mit der Abwärme der Firma Fripa.
  • Ausbau des ÖPNV im Landkreis Miltenberg, u.a. Südspessart-Linie 83, 2-stündige Buslinie Miltenberg - Wertheim - Würzburg, Buslinie Mömlingen - Groß-Umstadt, Ortsbus Sulzbach - Soden - Dornau sowie Planungen für eine Express-Buslinie ab Kleinwallstadt zur S-Bahn 1
  • Ausbau des Zugangebots im Landkreis Miltenberg mit einem einstündigen Regionalexpress zwischen Wertheim und Aschaffenburg ab Dezember 2019 sowie einer einstündigen Regionalbahn am Wochenende zwischen Miltenberg und Aschaffenburg
  • Initiative zur Elektrifizierung der Maintalbahn
  • Konzept der nachhaltigen ressourcenschonenden Generalsanierung der Schulen in Erlenbach und Miltenberg
  • Photovoltaik-Programm des Landkreises Miltenberg
  • Radwegekonzept für den Landkreis Miltenberg
  • ... und in Zukunft hoffentlich noch viel mehr Maßnahmen...
Es reicht noch lange nicht, aber jeder einzelne Schritt zählt! Um selbst glaubwürdig zu sein, gehört zu meiner persönlichen Mobilität deshalb nicht nur dienstlich ein E-Auto mit 100% Öko-Strom, sondern auch Fahrrad sowie Bus & Bahn!


Abgerundet wurde dieser besonders Demokratie- und Engagement-geprägte Freitag durch eine besondere Festveranstaltung des Landkreises Miltenberg zu "70 Jahre Grundgesetz" mit einer Würdigung der Frühdemokraten aus unserer Heimat. Denn wer wusste, dass die Wurzeln der deutschen Demokratie- und Freiheitsbewegung mit der noch weithin unbekannten Mainzer Republik 1792/93 und beeindruckenden Persönlichkeiten in unserer Heimat liegen?

Aber das ist Thema für den nächsten Blog...

Der direkte Kontakt zählt - NEU: Der Wochenrückblick


Einen täglichen Wochenrückblick möchte ich Ihnen in Zukunft an dieser Stelle bieten. Optimal am Montag.

Neben den inhaltlichen Zielsetzungen halte ich es für unsere freiheitliche Demokratie und deren Akzeptanz für wichtig, dass sich Politik nicht ausschließlich hinter verschlossenen Türen vollzieht.

Wir brauchen den direkten Kontakt und den unmittelbaren Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern! Deshalb möchte ich Ihnen hier einen unmittelbaren Eindruck gewähren. Für Rückmeldungen bin ich dankbar!

Vor Ort bei vielen Terminen im Landkreis Miltenberg


Vor Ort in Großheubach.


Vor Ort sein - zuhören, aufmerksam sein, verstehen! Hier in Großheubach vor Ort!
Neben den ab 2014 von mir als Landrat entwickelten und etablierten Formaten wie

  • der Bürgersprechstunde
  • den Gemeindebesuchen oder
  • den regelmäßigen Informationsveranstaltungen vor Ort


ist es mir wichtig, den direkten Kontakt zu den Menschen zu halten. Dazu gehört neben dem Umstand, dass ich oft vor Ort unterwegs bin, Sie mich bei unterschiedlichen Veranstaltungen sehen und ansprechen können, auch meine Mobilität: Nicht nur im Auto, sondern auch im Landkreis viel mit dem Fahrrad oder zu Fuß oder auch mit Bus und Zug unterwegs zu sein, damit ich hierbei für Sie ansprechbar bin.


Scheuen Sie sich nicht, mich anzusprechen! Meist klappt es!

Hier bin ich in der vom Landkreis Miltenberg neu eingerichteten Buslinie K68 von Mömlingen über Wald-Amorbach und Dorndiel Richtung Groß-Umstadt mit Anschluss nach Darmstadt.

Social Media & Co


Auch meine Präsenz in den sozialen Kanälen wie Instagram, Twitter oder Facebook dient der Information und dem direkten Kontakt. Positiv nehme ich zur Kenntnis, dass zunehmend viele Menschen diese einfache Möglichkeit nutzen, mit mir in Kontakt zu treten.

Eine weitere Möglichkeit bietet mein Blog unter www.jens-marco-scherf.de. Zu Beginn der neuen Woche möchte ich mit einem Rückblick auf die vergangene Woche ein oder zwei besonders prägende Themen herausgreifen. In dieser Woche wird dies das besondere Engagement der Kinder und Jugendlichen im Landkreis Miltenberg sein.

In diesem Sinne, freuen Sie sich auf den ersten Wochenrückblick, ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen!

Donnerstag, 16. Mai 2019

Bienen im Landratsamt - Wir alle tragen Verantwortung für die Artenvielfalt



Wir brauchen die Natur und die Vielfalt der Arten. Nicht erst seit dem überwältigenden Erfolg des bayerischen Volksbegehrens zum Schutz und Erhalt der Artenvielfalt in unserer Heimat sind viele Menschen hoch sensibilisiert für den Schutz der Naturräume und seiner Arten!

Volksbegehren Rettet die Bienen


Seit ich im Mai 2014 die Verantwortung als Landrat des Landkreises Miltenberg übertragen bekommen habe, habe ich gemeinsam mit vielen Akteuren im Landkreis Miltenberg viele wichtige Projekte angestoßen, um die Artenvielfalt im Landkreis Miltenberg zu schützen. Nur auszugsweise möchte ich darauf verweisen, dass wir annähernd 5000 Quadratmeter Flächen rund um unsere Liegenschaften wie Ämtergebäude und Schulen in blühende Landschaften verwandelt haben. Dazu haben wir seit 2015 große Landschafts- und Artenschutzprojekte mit dem Landschaftspflegeverband Miltenberg entwickelt, dessen Vorsitzender ich bin. So haben wir bereits in den vergangenen Jahren Biotop-Verbünde geschaffen, die nun im Entwurf des "Versöhnungsgesetzes" des Bayerischen Landtags in Ergänzung zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" gefordert werden.

Im Mai 2019 haben wir in einem gemeinsamen Projekt mit den Imkern am Landratsamt Miltenberg eine neue Heimat für 80.000 Bienen geschaffen! Bienen haben für unser Ökosystem große Bedeutung: Zum einen sammeln sie Nektar und Pollen für ihre Nahrung und als Grundlage für die Honigerzeugung, aber sie spielen auch bei der Bestäubung vieler Nutzpflanzen eine entscheidende Rolle. Auf dem Gelände des Miltenberger Landratsamts haben zwei Bienenvölker des Imker-Ehepaars Neuberger eine neue Heimat.

Bienenstöcke am Miltenberger Grauberg


Daniel und Lena Neuberger, die die Altstadt-Imkerei Miltenberg betreiben und von Daniels Vater Wolfgang unterstützt werden, nennen elf Bienenvölker ihr Eigen. Ihre Bienenstöcke stehen am Miltenberger Grauberg. Dort ist das Nahrungsangebot durch den nahen Wald zwar gut, das Kleinklima in der Altstadt hinter den Häusern am Fuß des Bergs ist bei der Überwinterung und der Frühentwicklung der Völker aber nicht optimal. Auf der Suche nach einem alternativen Standort half der Kreisvorsitzende der Imker, Matthias Meidel, mit dem ich als Landrat in einem gute Austausch stehe, ob der Landkreis nicht eine Fläche für zwei Bienenkästen bereitstellen konnte. Für mich keine Frage, denn die Ansiedlung von zwei Bienenvölkern passt wunderbar zur mit Blühstauden umgestalteten Fläche am Landratsamt Miltenberg. Auch dank der vielen Kleingärten hinter der Behörde und dem nahen Wald können die Bienen nun bis in den Spätsommer hinein ausreichend Nahrungsquellen finden. Die sonnige Lage des Standorts dürfte den Bienen ebenso gut gefallen, glaubt Daniel Neuberger.




Dank Unterstützung durch Kreisbaumeister Andreas Wosnik und mit tatkräftiger Hilfe der Gärtnerkolonne des Landkreises unter Leitung von Gabriel Abt wurde binnen kurzer Zeit der Untergrund vorbereitet, so dass die Völker – je eines aus Faulbach und Miltenberg – an einem  Samstagmorgen Ende April umgesiedelt werden konnten. Wenn alles gut läuft, rechnet Daniel Neuberger im ersten Jahr mit einem Ertrag von bis zu 40 Kilogramm Honig pro Bienenstock – eine stolze Leistung für die bis zu 40.000 Bienen pro Volk. Er wartet nun gespannt auf den ersten Jahrgang des „Landkreishonigs“.

Die Imker suchen übrigens ständig Imkernachwuchs. Wer Interesse hat, kann an einem Schnupperkurs teilnehmen. Dabei erstellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Bienenvolk und begleiten es über zwei Jahre bis zum Wirtschaftsvolk. Anmeldungen sind per Mail (mail@altstadtimkerei.de) und Telefon (09378 556) möglich.

Das ist nur eines von vielen positiven Beispielen, wie wir gemeinsam etwas für die Artenvielfalt im Landkreis Miltenberg tun können - denn es geht zum einen nicht nur um die Bienen, sondern um die Vielfalt der Insekten, zum anderen stehen wir alle gemeinsam in der Verantwortung. Beim "Runden Tisch für die Artenvielfalt im Landkreis Miltenberg" unter meiner Leitung haben wir Anfang Mai noch viele spannende Ideen gefunden, die wir alle, Landwirtschaft, Imker, Naturschützer oder einfach engagierte Bürgerinnen und Bürger umsetzen können.



Sonntag, 5. Mai 2019

Landschaftspflegeverband bringt Artenvielfalt in Streuobstflächen zurück

Im Gespräch mit Schafhalter Walter Zirkel, der die Streuobstwiesen am Holzberg mit seine Schafen beweidet. Daneben Kerstin Maier von der Geschäftsstelle des Landschaftspflegeverbandes im Landratsamt. Sie führte gemeinsam mit Geschäftsführer Siegmar Hartlaub durch das Gebiet.


Vor 31 Jahren wurde der Landschaftspflegeverband im Landkreis Miltenberg gegründet und leistet seitdem vorbildliche Arbeit für den Artenschutz. Er ist ein Bündnis zum Erhalt der Kulturlandschaft, sichert das Überleben vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten, aber auch der Mensch fühlt sich hier wohl. In einer Exkursion am Samstag, 4. Mai wurde von den Biologen Kerstin Maier und Siegmar Hartlaub, Geschäftsführer des Verbands, anschaulich dargestellt wie die gesteckten Ziele umgesetzt werden. Mit dabei auch Sachgebietsleiterin Regina Groll von der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege sowie Mömlingens Bürgermeister Siegfried Scholtka.

Wir waren im Gebiet am Holzberg unterwegs, wo 5,8 von insgesamt acht Hektar vom Landschaftspflegeverband gekauft oder gepachtet wurden. Einige Eigentümer bewirtschaften ihre Flächen noch selbst.

Auch in Mömlingen stehen die Bemühungen um das Offenhalten von Flächen laut Kerstin Maier im Vordergrund. »Das Ersatzgeld aus der Windkraftnutzung ist gut in Projekte des Biotop- und Artenschutzes investiert«, stellte sie fest. Der Hintergrund: Die für den Ausgleich zum Natur- und Umweltschutz aus der Windkraftnutzung zur Verfügung gestellten Mittel werden bei den Maßnahmen des Landschaftspflegeverbandes eingesetzt.

Nachfolgend einige Fotos von der Exkursion, die rund zwei Stunden dauerte und mit der Bewirtung regionaler Erzeugnisse abschloss.