Montag, 20. Mai 2019

Die Woche im Landkreis Miltenberg - der Wochenrückblick: Was fridaysforfuture mit unserer freiheitlichen Demokratie zu tun hat!

Jeden Montag möchte ich Ihnen hier einen Wochenrückblick bieten. Keinen Rückblick auf alle Ereignisse und Themen der Woche, sondern ausgewählt eben das, was hängen geblieben ist und am Montagmorgen - wie heute bei der Fahrt im Zug ins Amt - noch die Gedanken bewegt.


Nichts hat die öffentliche Diskussion in der vergangenen Woche so geprägt wie die erste fridaysforfuture - Demonstration im Landkreis Miltenberg. Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen im Landkreis Miltenberg hatten angeregt sowohl von der europaweiten Jugendbewegung als auch von vielen Projekten im Landkreis Miltenberg für Freitag, 17. Mai, auf den Engelplatz nach Miltenberg eingeladen.

Für mich ist der Freitag ein ganz besonderer Tag gewesen: Am Vormittag durfte ich Zeuge sein, wie die Verbandsschule Faulbach mit ihren 300 Schüler*innen genau an diesem 17. Mai ihre Schulverfassung in Kraft hat treten lassen. Etwa zwei Jahre haben sich die Kinder und Jugendlichen an der Grund- und Mittelschule sich mit dem Miteinander im Schulleben auseinander gesetzt. Dieses Engagement erlebe ich in den vergangenen Jahren in besonderer Weise an unseren Schulen, so denke ich hierbei an unsere Projektschulen "Schule gegen Rassismus - für Menschlichkeit" oder an unsere FairTrade-Schulen, genauso wie an viele Klimaschutzprojekte.
So war es für mich selbstverständlich, dass ich am vergangenen Freitagmittag vom Amt über die Brücke gelaufen bin, um mir selbst einen eigenen Eindruck von der ersten fridaysforfuture - Demo zu verschaffen.
Am Engelplatz in Miltenberg erlebte ich vor dem Rathaus über 300 engagierte Kinder und Jugendliche, die ihre Stimme klar und deutlich an die Erwachsenen richteten: Redet nicht mehr Drumherum, sondern unternehmt endlich entscheidende Schritte gegen die drohende Klimakatastrophe. Hochachtung meinerseits für die jungen Menschen, zum einen für die Organisation dieser Demonstration, zum anderen aber auch für die unterschiedlichen individuellen und gelungenen Beiträge!
Natürlich werde ich sowohl als Privatperson als auch als Landrat gefragt, wie ich denn zur fridaysforfuture - Bewegung stehe. Meine klare Position lautet:
Angesichts der sich abzeichnenden menschenverursachten Klimaveränderung in diesem Jahrhundert unterstütze ich es absolut, dass die jungen Menschen versuchen, uns endlich aufzurütteln. Angesichts der Umstände, dass wir derzeit unsere Klimaziele krachend zu verfehlen drohen und wir dramatische klimatische Veränderungen befürchten müssen, ist genau jetzt der Zeitpunkt zum Aufwachen.
Die Frage bezüglich "Streik - Unterrichtspflicht" beantworte ich gerne: Lasst uns Erwachsene unserer Verantwortung für unsere Erde, unser Klima und unsere Kinder nachkommen, dann können wir mit den Jungen auch über die Unterrichtspflicht an Freitagen reden - also dann, wenn wir "Alten" unsere Hausaufgaben machen!
Deswegen war es für mich übrigens auch klar, dass ich bei der Zwischenstation der Demonstration am Landratsamt Miltenberg NICHT die Gelegenheit ergreife, als Landrat selbst zu den jungen Menschen zu sprechen. Fridaysforfuture ist eine Jugendbewegung - und hier spricht die Jugend, und wir Erwachsenen hören zu.
 
Dass wir nicht untätig sind im Landkreis Miltenberg will ich nur in Stichpunkten darstellen:
  • Realisierung des Nahwärmenetz MIL-Nord für das Schulzentrum im Norden Miltenbergs; hier beheizen wir drei Kreisschulen und drei Sportstätten nun mit der Abwärme der Firma Fripa.
  • Ausbau des ÖPNV im Landkreis Miltenberg, u.a. Südspessart-Linie 83, 2-stündige Buslinie Miltenberg - Wertheim - Würzburg, Buslinie Mömlingen - Groß-Umstadt, Ortsbus Sulzbach - Soden - Dornau sowie Planungen für eine Express-Buslinie ab Kleinwallstadt zur S-Bahn 1
  • Ausbau des Zugangebots im Landkreis Miltenberg mit einem einstündigen Regionalexpress zwischen Wertheim und Aschaffenburg ab Dezember 2019 sowie einer einstündigen Regionalbahn am Wochenende zwischen Miltenberg und Aschaffenburg
  • Initiative zur Elektrifizierung der Maintalbahn
  • Konzept der nachhaltigen ressourcenschonenden Generalsanierung der Schulen in Erlenbach und Miltenberg
  • Photovoltaik-Programm des Landkreises Miltenberg
  • Radwegekonzept für den Landkreis Miltenberg
  • ... und in Zukunft hoffentlich noch viel mehr Maßnahmen...
Es reicht noch lange nicht, aber jeder einzelne Schritt zählt! Um selbst glaubwürdig zu sein, gehört zu meiner persönlichen Mobilität deshalb nicht nur dienstlich ein E-Auto mit 100% Öko-Strom, sondern auch Fahrrad sowie Bus & Bahn!

Abgerundet wurde dieser besonders Demokratie- und Engagement-geprägte Freitag durch eine besondere Festveranstaltung des Landkreises Miltenberg zu "70 Jahre Grundgesetz" mit einer Würdigung der Frühdemokraten aus unserer Heimat. Denn wer wusste, dass die Wurzeln der deutschen Demokratie- und Freiheitsbewegung mit der noch weithin unbekannten Mainzer Republik 1792/93 und beeindruckenden Persönlichkeiten in unserer Heimat liegen?

Aber das ist Thema für den nächsten Blog...

Der direkte Kontakt zählt - NEU: Der Wochenrückblick


Einen täglichen Wochenrückblick möchte ich Ihnen in Zukunft an dieser Stelle bieten. Optimal am Montag.
Neben den inhaltlichen Zielsetzungen halte ich es für unsere freiheitliche Demokratie und deren Akzeptanz für wichtig, dass sich Politik nicht ausschließlich hinter verschlossenen Türen vollzieht.
Wir brauchen den direkten Kontakt und den unmittelbaren Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern! Deshalb möchte ich Ihnen hier einen unmittelbaren Eindruck gewähren. Für Rückmeldungen bin ich dankbar!
Vor Ort sein - zuhören, aufmerksam sein, verstehen! Hier in Großheubach vor Ort!
Neben den ab 2014 von mir als Landrat entwickelten und etablierten Formaten wie
  • der Bürgersprechstunde,
  • den Gemeindebesuchen oder
  • den regelmäßigen Informationsveranstaltungen vor Ort
ist es mir wichtig, den direkten Kontakt zu den Menschen zu halten. Dazu gehört neben dem Umstand, dass ich oft vor Ort unterwegs bin, Sie mich bei unterschiedlichen Veranstaltungen sehen und ansprechen können, auch meine Mobilität: Nicht nur im Auto, sondern auch im Landkreis viel mit dem Fahrrad oder zu Fuß oder auch mit Bus und Zug unterwegs zu sein, damit ich hierbei für Sie ansprechbar bin.
Scheuen Sie sich nicht, mich anzusprechen! Meist klappt es!

 Hier bin ich in der vom Landkreis Miltenberg neu eingerichteten Buslinie K68 von Mömlingen über Wald-Amorbach und Dorndiel Richtung Groß-Umstadt mit Anschluss nach Darmstadt.

Auch meine Präsenz in den sozialen Kanälen wie Instagram, Twitter oder Facebook dient der Information und dem direkten Kontakt. Positiv nehme ich zur Kenntnis, dass zunehmend viele Menschen diese einfache Möglichkeit nutzen, mit mir in Kontakt zu treten.

Eine weitere Möglichkeit bietet mein Blog unter www.jens-marco-scherf.de. Zu Beginn der neuen Woche möchte ich mit einem Rückblick auf die vergangene Woche ein oder zwei besonders prägende Themen herausgreifen. In dieser Woche wird dies das besondere Engagement der Kinder und Jugendlichen im Landkreis Miltenberg sein.
In diesem Sinne, freuen Sie sich auf den ersten Wochenrückblick, ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen!

Donnerstag, 16. Mai 2019

Bienen im Landratsamt - Wir alle tragen Verantwortung für die Artenvielfalt

Wir brauchen die Natur und die Vielfalt der Arten. Nicht erst seit dem überwältigenden Erfolg des bayerischen Volksbegehrens zum Schutz und Erhalt der Artenvielfalt in unserer Heimat sind viele Menschen hoch sensibilisiert für den Schutz der Naturräume und seiner Arten!
Seit ich im Mai 2014 die Verantwortung als Landrat des Landkreises Miltenberg übertragen bekommen habe, habe ich gemeinsam mit vielen Akteuren im Landkreis Miltenberg viele wichtige Projekte angestoßen, um die Artenvielfalt im Landkreis Miltenberg zu schützen. Nur auszugsweise möchte ich darauf verweisen, dass wir annähernd 5000 Quadratmeter Flächen rund um unsere Liegenschaften wie Ämtergebäude und Schulen in blühende Landschaften verwandelt haben. Dazu haben wir seit 2015 große Landschafts- und Artenschutzprojekte mit dem Landschaftspflegeverband Miltenberg entwickelt, dessen Vorsitzender ich bin. So haben wir bereits in den vergangenen Jahren Biotop-Verbünde geschaffen, die nun im Entwurf des "Versöhnungsgesetzes" des Bayerischen Landtags in Ergänzung zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" gefordert werden.

Im Mai 2019 haben wir in einem gemeinsamen Projekt mit den Imkern am Landratsamt Miltenberg eine neue Heimat für 80.000 Bienen geschaffen! Bienen haben für unser Ökosystem große Bedeutung: Zum einen sammeln sie Nektar und Pollen für ihre Nahrung und als Grundlage für die Honigerzeugung, aber sie spielen auch bei der Bestäubung vieler Nutzpflanzen eine entscheidende Rolle. Auf dem Gelände des Miltenberger Landratsamts haben zwei Bienenvölker des Imker-Ehepaars Neuberger eine neue Heimat.

Daniel und Lena Neuberger, die die Altstadt-Imkerei Miltenberg betreiben und von Daniels Vater Wolfgang unterstützt werden, nennen elf Bienenvölker ihr Eigen. Ihre Bienenstöcke stehen am Miltenberger Grauberg. Dort ist das Nahrungsangebot durch den nahen Wald zwar gut, das Kleinklima in der Altstadt hinter den Häusern am Fuß des Bergs ist bei der Überwinterung und der Frühentwicklung der Völker aber nicht optimal. Auf der Suche nach einem alternativen Standort half der Kreisvorsitzende der Imker, Matthias Meidel, mit dem ich als Landrat in einem gute Austausch stehe, ob der Landkreis nicht eine Fläche für zwei Bienenkästen bereitstellen konnte. Für mich keine Frage, denn die Ansiedlung von zwei Bienenvölkern passt wunderbar zur mit Blühstauden umgestalteten Fläche am Landratsamt Miltenberg. Auch dank der vielen Kleingärten hinter der Behörde und dem nahen Wald können die Bienen nun bis in den Spätsommer hinein ausreichend Nahrungsquellen finden. Die sonnige Lage des Standorts dürfte den Bienen ebenso gut gefallen, glaubt Daniel Neuberger.


 Dank Unterstützung durch Kreisbaumeister Andreas Wosnik und mit tatkräftiger Hilfe der Gärtnerkolonne des Landkreises unter Leitung von Gabriel Abt wurde binnen kurzer Zeit der Untergrund vorbereitet, so dass die Völker – je eines aus Faulbach und Miltenberg – an einem  Samstagmorgen Ende April umgesiedelt werden konnten. Wenn alles gut läuft, rechnet Daniel Neuberger im ersten Jahr mit einem Ertrag von bis zu 40 Kilogramm Honig pro Bienenstock – eine stolze Leistung für die bis zu 40.000 Bienen pro Volk. Er wartet nun gespannt auf den ersten Jahrgang des „Landkreishonigs“.

Die Imker suchen übrigens ständig Imkernachwuchs. Wer Interesse hat, kann an einem Schnupperkurs teilnehmen. Dabei erstellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Bienenvolk und begleiten es über zwei Jahre bis zum Wirtschaftsvolk. Anmeldungen sind per Mail (mail@altstadtimkerei.de) und Telefon (09378 556) möglich.

Das ist nur eines von vielen positiven Beispielen, wie wir gemeinsam etwas für die Artenvielfalt im Landkreis Miltenberg tun können - denn es geht zum einen nicht nur um die Bienen, sondern um die Vielfalt der Insekten, zum anderen stehen wir alle gemeinsam in der Verantwortung. Beim "Runden Tisch für die Artenvielfalt im Landkreis Miltenberg" unter meiner Leitung haben wir Anfang Mai noch viele spannende Ideen gefunden, die wir alle, Landwirtschaft, Imker, Naturschützer oder einfach engagierte Bürgerinnen und Bürger umsetzen können.
 


Sonntag, 5. Mai 2019

Landschaftspflegeverband bringt Artenvielfalt in Streuobstflächen zurück

Im Gespräch mit Schafhalter Walter Zirkel, der die Streuobstwiesen am Holzberg mit seine Schafen beweidet. Daneben Kerstin Maier von der Geschäftsstelle des Landschaftspflegeverbandes im Landratsamt. Sie führte gemeinsam mit Geschäftsführer Siegmar Hartlaub durch das Gebiet.
Vor 31 Jahren wurde der Landschaftspflegeverband im Landkreis Miltenberg gegründet und leistet seitdem vorbildliche Arbeit für den Artenschutz. Er ist ein Bündnis zum Erhalt der Kulturlandschaft, sichert das Überleben vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten, aber auch der Mensch fühlt sich hier wohl. In einer Exkursion am Samstag, 4. Mai wurde von den Biologen Kerstin Maier und Siegmar Hartlaub, Geschäftsführer des Verbands, anschaulich dargestellt wie die gesteckten Ziele umgesetzt werden. Mit dabei auch Sachgebietsleiterin Regina Groll von der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege sowie Mömlingens Bürgermeister Siegfried Scholtka.
Wir waren im Gebiet am Holzberg unterwegs, wo 5,8 von insgesamt acht Hektar vom Landschaftspflegeverband gekauft oder gepachtet wurden. Einige Eigentümer bewirtschaften ihre Flächen noch selbst.
Auch in Mömlingen stehen die Bemühungen um das Offenhalten von Flächen laut Kerstin Maier im Vordergrund. »Das Ersatzgeld aus der Windkraftnutzung ist gut in Projekte des Biotop- und Artenschutzes investiert«, stellte sie fest. Der Hintergrund: Die für den Ausgleich zum Natur- und Umweltschutz aus der Windkraftnutzung zur Verfügung gestellten Mittel werden bei den Maßnahmen des Landschaftspflegeverbandes eingesetzt.
Nachfolgend einige Fotos von der Exkursion, die rund zwei Stunden dauerte und mit der Bewirtung regionaler Erzeugnisse abschloss.















Mittwoch, 17. April 2019

Frohe Ostern!


Mit einem Gedicht von Kurt Tucholsky wünsche ich frohe Ostertage!

Ostern


Da ist nun unser Osterhase!
Er stellt das Schwänzchen in die Höh
und schnuppert hastig mit der Nase
und tantz sich einen Pah de döh!

Dann geht er wichtig in die Hecken
und tut, was sonst nur Hennen tun:
Er möchte sein Produkt verstecken,
um sich dann etwas auszuruhn.

Das gute Tier! Ein dicker Lümmel
nahm ihm die ganze Eierei
und trug beim Glockenbammelbimmel
sie zu der Liebsten nahebei.

Da sind sie nun. Bunt angemalen
sagt jedes Ei: “ Ein frohes Fest! ”
Doch unter ihren dünnen Schalen
liegt, was sich so nicht sagen lässt.

Iss du das Ei! Und lass dich küssen
zu Ostern und das ganze Jahr ...
Iss nun das Ei! Und du wirst wissen,
was drinnen in den Eiern war!

Kurt Tucholsky

Montag, 8. April 2019

Erlebnisstadtführungen beleben die Region

Knapp 50 Teilnehmer bei der Erlebnisstadtführung »Obernburg mit langen Wimpern« am Samstag, 6. April.
Es ist immer eine Bereicherung, wenn engagierte Menschen geschichtliche Hintergründe unterhaltsam, aber auch mit Tiefgang bei einer Stadtführung erklären. Der Theaterverein »Die Granatsplitter« hat zusammen mit der Autorin Ruth Weitz ein Konzept entwickelt, das die Römerstadt Obernburg aus einem außergewöhnlichen Blickwinkel beleuchtet. Zusammen mit rund 50 Teilnehmern durfte ich dies am 6. April 2019 erleben. Umrahmt von Theaterszenen, die in verschiedenen Epochen angesiedelt sind, die Träume von Mädchen und Frauen darstellen und aus den Geschichten im Stadtführer »Obernburg mit langen Wimpern« entnommen wurden, gab es viele Informationen über die Römerstadt aus Vergangenheit und Gegenwart. Es war informativ und unterhaltsam. Gelungen war auch der Abschluss im Ebbelwoigässje mit Umtrunk und Gelegenheit zum Plaudern.

Ännchen und die Angst vor der Inquisition am Hexenturm.

Die letzte Szene Nähe Winkelhof mit dem Titel »Lena Zahn will hoch hinaus...

...mit Jasmin Kohl und Steven Langner, angesiedelt in der Zeit der Judenverfolgung. Mit sehr viel Tiefgang und prima gespielt!

Abschluss am Ebbelwoigässje.

Die nächste öffentliche Stadtführung »Obernburg mit langen Wimpern« ist am Samstag, 4. Mai, 15 Uhr mit Treffpunkt an der Annakapelle, wie mir gesagt wurde.

Fotos: Hedi Bast und Ruth Weitz

Donnerstag, 14. März 2019

Gute Bildungschancen für alle - Kunst ist ein wichtiger Baustein der Förderung von Kindern und JugendlichenDie



Die Verleihung des Schaefler-Preises.
Foto: Landratsamt

Jedes Jahr im Februar wird schon traditionell der Schaefler-Preis des Landkreises verliehen. In der Kreisentwicklung hat die Kulturarbeit eine große Bedeutung: Neben dem Kulturwochenherbst und dem Internationalen Chorwettbewerb ist die künstlerische Förderung unserer Kinder und Jugendlichen. Wir folgen hierbei der Erkenntnis, dass Bildung weit mehr umfasst als den "klassischen Fächer-Dreikampf Deutsch - Mathematik - HSU", auf den leider die Bildung der Grundschule im Hinblick auf die weiterführenden Schulen reduziert wird.

Bildung ist ganzheitlich, und deshalb fördern wir im Landkreis Miltenberg die künstlerische und kulturelle Bildung unserer Kinder mit außerordentlichen Wegen. Dazu gehört zum einen das Kunstnetz des Landkreises Miltenberg, das vielfältige Angebot ist unter www.kunstnetz-mil.de nachzulesen. Zum anderen bietet der Landkreis Miltenberg im Rahmen des Kulturwochenherbstes "Aktive Führungen" für unsere Kinder und Jugendlichen an, die direkt zum Schaefler-Preis führen.

Im Herbst 2018 haben fast 700 junge Künstlerinnen und Künstler sich von der Farbenpracht in Ansgar Skibas Ausstellung „Im Garten der Farben“ anstecken lassen. Diese Eindrücke haben sie wiederum künstlerisch ausgedrückt, behutsam angeleitet vom Team der Aktiven Führungen von Barbara Bertlwieser und ihrem Team. Eine Jury hatte Schwerstarbeit zu leisten, um aus 683 Kunstwerken die drei Preisträger des Schaefler-Preises zu ermitteln: Ricardo Krill, Miray Chuseinoglu und Christian Getmanovich.

Im Eschauer Kana-Haus, wo traditionell die Preisverleihung stattfindet, freute sich Eschaus stellvertretender Bürgermeister Gerhard Rüth vor vollen Reihen über den Schaefler-Preis, ein „tolles interkommunales Gemeinschaftsprojekt“ zwischen Landkreis Miltenberg und Gemeinde Eschau. In Zeiten der Digitalisierung sei digitale Kompetenz wichtig, so Rüth, aber auch klassische Tugenden und soziale Kompetenzen dürften nicht vergessen werden. Für junge Menschen sei die künstlerische Betätigung sehr wichtig, steht für ihn fest. Es habe eine andere Qualität, seine Werke öffentlich zu präsentieren und von Experten bewerten zu lassen, als sie einfach nur im Internet zu posten, sagte Rüth zum Schaefler-Preis, der nichts an Attraktivität eingebüßt habe. Fritz Schaefler habe hervorragende Werke geschaffen und in Eschau sei man stolz, dass die Preisverleihung in der Spessartgemeinde in jedem Jahr den würdigen Abschluss des Wettbewerbs bilde.

Während draußen der Sturm über Eschau tobte, sprach Landrat Jens Marco Scherf von der schönsten Zeit des Jahres, wenn im beginnenden Frühling die farbenprächtigen Kunstwerke das Landratsamtsfoyer und die Gänge zum Leuchten bringen. Die Bilder seien Ausdruck der Kreativität der Kinder, so Scherf. Eine entscheidende Rolle dabei spielten die aktiven Führungen des Teams „Abenteuer Kunst“ mit Koordinatorin Barbara Bertlwieser an der Spitze, Margarete Bernhard, Barbara Klietsch und Cornelia Becker-König, lobte der Landrat. In diesen Führungen beschäftigten sich die jungen Menschen mit dem Künstler und seinem Werk, lernten etwas über die verschiedenen Techniken und würden zum Ende selbst kreativ.

Zwölf von 683 Werken seien für den Schaefler-Preis nominiert, so Scherf, deren Urheberinnen und Urhebern spendiere der Landkreis jeweils einen Workshop des Kunstnetzes. Die drei Preisträger würden mit einer Grafik von Fritz Schaefler belohnt. Dank des Engagements der Familie Schaefler, speziell der Frau des verstorbenen Schaefler-Enkels Christoph, könne man auch weiterhin Grafiken des Künstlers Fritz Schaefler als Preise vergeben. Wie bereits Gerhard Rüth zuvor, hob auch Jens Marco Scherf die Leistungen aller jungen Künstlerinnen und Künstler hervor. Alle seien Gewinner, so Scherf, nicht nur die Gewinner. Der Schaefler-Preis sei ein Beleg für den hohen Stellenwert der Kultur im Landkreis Miltenberg, steht für Scherf fest, der auch dem Kreistag für die Unterstützung der Kulturarbeit dankte.

Barbara Bertlwieser erinnerte sich an die Reaktionen der Kinder während der Führungen und beim Zeichnen: „Es war eine ganz besondere Leichtigkeit zu erkennen.“ Staunend und still seien die Kinder vor den mächtigen Werken gestanden, ehe sie selbst die Farben auf ihren Leinwänden explodieren ließen. „Die Kinder ließen sich vom Rausch der Farbigkeit anstecken und erschufen unterschiedlichste Motive“, sagte sie und freute sich über die vielen Gärten, die auf Papier gewachsen seien. Sie stellte zunächst die Bilder aller zwölf Nominierten vor, ehe sie die von der Jury ausgewählten Siegerinnen und Sieger bekannt gab. In der Altersklasse I lag Ricardo Krill (Kunstgrundschule Großheubach“ vorne, in der Altersklasse II Miray Chuseinoglu (Grundschule Bürgstadt) und in der Altersklasse III Christian Getmanovich (Mittelschule Leidersbach).

Bevor Johanna Strüber (Gesang) und Kristina Popp (Klavier) mit Simon & Garfunkels „The Sound Of Silence“ den musikalischen Schlusspunkt setzten, dankte Landrat Jens Marco Scherf allen Mitgliedern der Jury, dem Kulturreferat sowie den Organisatoren vor Ort in Eschau.