Freitag, 18. Oktober 2019

Landrat vor Ort (18) - das Blühflächenprojekt am Schulzentrum Elsenfeld


 

Gemeinschaftsprojekt für blühende Landschaften 

Blühende Landschaften - was im Jahr 1990 zum Wahlkampfschlager des damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl verkam, ist nicht erst seit dem erfolgreichsten Volksbegehren aller Zeiten in Bayern das Ziel vieler Menschen. Beeindruckend ist es, wenn Menschen nicht nur darauf warten, dass sich etwas verändert, sondern selbst aktiv anpacken. So sind die blühenden Landschaften am Schulzentrum Elsenfeld kein Wunder, sondern Ergebnis des Engagements von Schülerinnen und Schüler und der Menschen aus dem Aktionsbündnis „Giftfrei im 3Ländereck e.V.“. Dieses Engagement für das Blühflächenprojekt von Gymnasium und Realschule Elsenfeld war auch notwendig, denn gerade am Anfang brauchen diese Flächen gute Pflege.

Aktionsbündnis "Giftfrei im 3Ländereck e.V." und Schüler*innen aktiv 

 
Das Blühflächenprojekt haben der Landkreis Miltenberg und das Aktionsbündnis „Giftfrei im 3Ländereck e.V.“ gemeinsam mit den Schulen umgesetzt. Begonnen hatte das Vorhaben Anfang Mai, als die Schülerinnen und Schüler auf zwei Arealen am Eingang des Großparkplatzes am Schulzentrum Elsenfeld zahlreiche vorgezogene ein- und mehrjährige Stauden pflanzten. Ausgesucht wurden Pflanzen, die Trockenheit vertragen, aber auch den Insekten als Nahrungsquelle dienen. Tatkräftig unterstützt wurden sie bei der Pflanzaktion von der Gärtnerkolonne des Landratsamts, aber auch von den Gärtnern Benedict Vierneisel und Christina Ullshöfer, die dem Aktionsbündnis angehören.


 

Viel Engagement ist notwendig für blühende Landschaften

 
 
Mit dem Pflanzen war es aber nicht getan, erklärte Gabriel Abt, Fachberater für Gartenkultur und Landespflege, mir, als ich mich vom Fortgang des Projekts im Sommer überzeugte. An zwei weiteren Terminen im Juni und im Juli hatten die Schülerinnen und Schüler jede Menge Arbeit. Neben dem Unkrautjäten verfolgten sie aber auch, wie die Pflanzen wachsen, Blüten entwickeln und wie sie von Insekten besucht werden. Im Herbst soll der Abschluss des auf ein Schuljahr angelegten Projekts sein und ich hoffe, dass die jungen Leute an den beiden Schulen diese Blühflächen in ihr Herz schließen und sich auch weiter darum kümmern, dass die Pflanzen blühen und gedeihen.

Was mich wirklich beeindruckt: Das Engagement der Aktiven im Aktionsbündnis „Giftfrei im 3Ländereck e.V.“, welche auf mich zugekommen waren mit dieser Projektidee.  

Schönheit der blühenden Vielfalt beeindruckt


Die Vielfalt in den beiden bepflanzten Flächen ist beeindruckend. Neben farbenprächtigen Pflanzen wie Kosmeen, Mohn, Schöngesicht, Schopfsalbei, Kornblumen und Malven stehen auch Heilpflanzen wie Ringelblume, Salbei, Beinwell und Königskerzen in den Flächen. Wildblumen wie unter anderem Waldziest, Natternkopf und Gundermann ergänzen den Pflanzenmix.

Eine wichtige Lektion lernten die Schülerinnen und Schüler an diesem warmen Julimorgen: Angesichts des trockenen Bodens mussten sie die Pflanzen ausgiebig gießen. Neben Gabriel Abt und Christina Ullshöfer gaben auch Gymnasiallehrer Helmut Leitsch und Realschullehrerin Jennifer Pfister Tipps zur richtigen Pflege der Pflanzen

So blüht es nicht nur rund um das Landratsamt, sondern auch an den Schulen des Landkreises Miltenberg!

 

Für unsere Bienen uns Insekten lassen wir es blühen!

Und unsere Bienen genießen die Vielfalt der blühenden Wiesen.

 

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Fragen an den Landrat (14) - Woher kommen unsere zukünftigen Hausärztinnen und Hausärzte?





Gesundheitsversorgung ist Top-Thema der Landkreis-Entwicklung!


Seit 2015 ist die Sicherstellung der zukünftigen Versorgung mit Hausärzt*innen eines der Top-Ziele der Landkreis-Entwicklung. Hierzu nimmt der Landkreis Miltenberg am Projekt des Freistaates Bayern "Gesundheitsregion plus" teil. In drei Arbeitsgruppen arbeiten alle wesentlichen Akteure an der Gesundheitsversorgung der Zukunft zusammen. Mehr Informationen über die Arbeit in den Arbeitsgruppen "Gesundheitsversorgung", "Gesundheitsvorsorge" und "Pflege, Palliativ- und Hospizversorgung" erhalten Sie hier. 
 
Eines von vielen Projekten ist die Initiative MainLandarzt:
 

Medizinstudierende aus Würzburg auf Entdeckungstour im Landkreis Miltenberg

 
Im Rahmen des Konzepts „Main.Landarzt“ der Gesundheitsregion plus fand auf Initiative von Kreisrat Rudi Schuck am Samstag eine Erlebnistour für Medizinstudierende im Landkreis Miltenberg statt. 

Mit dem Bus wurden die Studierenden von Kreisrat Rudi Schuck und Jörg Frieß, Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbandes Aschaffenburg, und der Geschäftsführerin unserer Gesundheitsregion, Lena Ullrich, persönlich in Würzburg abgeholt und tourten anschließend in Begleitung weiterer Ärzte bei gutem Wetter durch den Landkreis Miltenberg. Neben einer Stadtbesichtigung in Miltenberg standen u.a. ein Besuch in der Praxis Kriegbaum in Kleinheubach, ein Klinikbesuch in Erlenbach, ein Ausflug in die Weinberge sowie ein Besuch bei Bürgermeister Rudi Schreck in Röllbach auf dem Programm.

Besuch einer Hausarztpraxis und beim Weiterbildungsverbund 


Landrat Jens Marco Scherf begrüßte die Studierenden zusammen mit seiner Stellvertreterin Monika Wolf-Pleßmann am späten Vormittag in der Praxis Kriegbaum in Kleinheubach. Er lud sie ein, den Landkreis als hervorragenden Lebens- und Arbeitsstandort kennenzulernen und die Chance zu nutzen, mit den Ärzten vor Ort direkt ins Gespräch zu kommen. Dabei stellte er auch den im Rahmen der Gesundheitsregion plus gegründeten Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin vor und zeigte ihnen weitere Vorzüge des Landkreises Miltenberg auf: die Nähe zu Frankfurt, die gute Infrastruktur und die vielfältigen Angebote und Möglichkeiten für angehende Hausärztinnen und Hausärzte. So können Medizinstudierende während des Studiums ihr praktischen Ausbildungen sowie die anschließende Facharztweiterbildung im Landkreis absolvieren und sich später als Hausärztin oder Hausarzt im Landkreis Miltenberg niederlassen. Auch die Familienfreundlichkeit, die guten Vernetzungsstrukturen im Gesundheitswesen und die Schönheit der Natur mit den vielfältigen Freizeitangeboten stellte er in den Vordergrund.
 

 

Kooperation mit dem Helios-Krankenhaus

 
Weiter ging es für die Medizinstudierenden dann über Mainbullau in die Klinik nach Erlenbach. Dort stellte Dr. Helena Gabriel den Studierenden die Helios Kliniken Erlenbach und Miltenberg vor und führte sie im Anschluss auch durch die Notaufnahme des Krankenhauses. Im sogenannten „Schockraum“ der Notaufnahme stellte sie den Studierenden u.a. auch die fortschrittliche digitale Kommunikation der Klinik mit den Rettungswagen des Bayerischen Roten Kreuzes vor.   

Hohe Lebensqualität des Landkreises Miltenberg direkt erleben 


Mit dem Bus ging es danach weiter in die Weinberge der Mechenharder Jungwinzer. In wunderschöner Kulisse genossen die Studierenden mit Blick auf den Main die landschaftlichen Vorzüge des Landkreises.

Abschluss der Tour bildete ein Besuch bei Bürgermeister Rudi Schreck in Röllbach, der die Gruppe mit selbst geschossener Wildschweinwurst und Original Röllbacher Tropfen begrüßte.

Die Studierenden waren von der Herzlichkeit und dem Engagement der Menschen im Landkreis Miltenberg begeistert und nutzen die Chance mit den Ärzten aus dem Landkreis ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen zu den Angeboten des Landkreises unter www.Main-Landarzt.de und www.gesundheitsregion-plus-miltenberg.de

 

Montag, 14. Oktober 2019

Landrat vor Ort (17) - der Regionale Apfelmarkt zum 20. Mal


Vom Bahnhof weg habe ich den Ehrenbotschafter der Fair-Trade-Bewegung Deutschland, Manfred Holz, zum Regionalen Apfelmarkt begleitet.
Einer der engagierten regionalen Produzenten im Landkreis Miltenberg ist Matthias Wolf aus Leidersbach!

20 Jahre Regionaler Apfelmarkt am Untermain

Seit 20 Jahren gehört der Regionale Apfelmarkt zum bayerischen Untermain, so wie der Apfel seit dem 19. Jahrhundert unsere Heimat prägt. Ohne unsere Streuobstwiesen wäre die Landschaft unserer Heimat nicht vorstellbar - und ebenso unvorstellbar wäre im Jahr 1900 die Weltausstellung in Paris oder die Obstversorgung in den USA der 20er und 30er Jahre gewesen ohne das Obst vom Bayerischen Untermain!

Erfolgreiche Kooperation am Bayerischen Untermain

Der Apfel ist der Symbol unserer Region und er steht für die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit der Landkreise Miltenberg und Aschaffenburg und der kreisfreien Stadt Aschaffenburg. Ohne parteipolitische Hemmungen oder einem Stadt-Land-Denken bringen die drei Gebietskörperschaften seit einem Vierteljahrhundert unsere Region voran. Letzter großer Erfolg war, dass wir nun auf der Ebene der für uns so wichtigen Rhein-Main-Region ebenfalls eine Plattform der Zusammenarbeit haben. Das 2018 eingerichtete Strategieforum vereint Städte und Landkreise, staatliche und kommunale Ebene sowie vier Bundesländer in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main. Und wir als Bayerischer Untermain sitzen stets mit am Tisch, egal ob im Strategieforum oder in den vier Fachgruppen. Mehr Informationen zur Kooperation am Untermain und zur Initiative Bayerischer Untermain hier.

Durchgang nur zu Fuß - die Hauptstraße war gesperrt für viele tausend Besucher*innen des Apfelmarktes
 

Apfelmarkt feiert Jubiläum im Landkreis Miltenberg

Seit dem ersten Apfelmarkt im Jahr 2000 in Aschaffenburg organisierte die Regionalmanagement-INITIATIVE BAYERISCHER UNTERMAIN in jeweils enger Abstimmung mit den Apfelmarkt-Kommunen und den Landratsämtern in jedem Oktober ein buntes Schaufenster rund um regionale Apfel- und Obstprodukte. Mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher haben seitdem die Apfelmärkte besucht. Die Kombination von Anbietern und Akteuren aus den Bereichen Erwerbsobstbau, Streuobst, Naturschutz- und Landschaftsschutz mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm rund um den Apfel zeigt, dass Landschafts- und Naturschutz schmeckt und Spaß macht – und das die Äpfel aus der Region eine echte Alternative zum normierten Supermarktapfel sind!
 
Gerade im Jubiläumsjahr wird viel geboten - beginnend mit der feierlichen "Apfel-Gala" am Freitag, 11.10., über die Feiermeile "Äbbelwoi & more" am Samstagabend gipfelt das Jubiläum im eigentlichen Apfelmarkt im Elsenfelder Ortskern am Sonntag: 

Regionaler & fairer Handel - untrennbar verbunden!

Ein Höhepunkt des 20. Regionalen Apfelmarktes: Die Auszeichnung des Marktes Elsenfeld als 6. Fair-Trade-Gemeinde des Fair-Trade-Landkreises Miltenberg!
Fairer und regionaler Handel gehen Hand in Hand, denn beide verfolgen das Ziel, nachhaltige Produktion und dauerhaft gute Lebensbedingungen für die Menschen zu ermöglichen.
Mein Dank gilt dem großen Engagement der Steuerungsgruppe in Elsenfeld, die den Weg zur Fair-Trade-Gemeinde geebnet hat. Nun gilt es, der Aufforderung der Fair-Trade-Gemeinde Elsenfeld zu folgen: Machen wir alle mit:
  • Wer den Amazonas retten will, kauft nur fair erzeugte Bio-Bananen!
  • Wer gute Lebensbedingungen für die Menschen im südlichen Teil der Erde will, der kauft nur fair erzeugten Bio-Kaffee, Bio-Kakao und Bio-Schokolade!
  • Wer im Landkreis Miltenberg eine artenreiche Landschaft mit vielen Wiesen und Insekten will, der unterstützt die regional erzeugten Produkte und kauft Äpfel, Zwetschgen, Kirschen oder Birnen saisonal und aus heimischer Produktion!
  • Wer Tierschutz unterstützen will, der kauft - wenn er denn ein gutes Stück Fleisch oder Wurst essen will - seine Fleischwaren beim Handwerksmetzger vor Ort oder im qualifizierten Handel (wie dem Bauer-Markt), denn hier erhält er Fleisch und Wurst von Zuchtbetrieben aus der Region.
  • Wer etwas gegen die unerträglichen Arbeitsbedingungen in asiatischen Kleiderfabriken tun will, der achtet beim Kleiderkauf u.a. auf den Produktionsort oder sucht gleich nach fair produzierter Kleidung
  • ... 

Bürgermeister Matthias Luxem mit dem Ehrenbotschafter von Fair-Trade Deutschland und der neuen Fränkischen Apfelkönigin. Fotograf: Landrat für alle(s) :)

Der Apfel - die prägende Frucht unserer Heimat

Seit nun 20 Jahren veranstaltet die Initiative Bayerischer Untermain den Regionalen Apfelmarkt - am 13. Oktober war er nun in Elsenfeld rund um Rathaus, Altort und Bürgerzentrum. Fast 40 Aussteller zeigten, was die Regional rund um den Apfel zu bieten hat. Viele tausend Besucherinnen und Besucher bestätigten mir, dass regionale Produkte "in" sind, denn sie stehen für Nachhaltigkeit, Genuss und Identität!

Auch die Kommunale Abfallwirtschaft war unter den Ausstellern - denn wir stehen für Abfallvermeidung und Ressourcenschonung, genau wie unsere regionalen Produkte!

Und mein krönender Abschluss des Sonntags - der Besuch der Apfeltage in Ottorfszell - immer einen Besuch wert!

Der Landkreis Miltenberg ist so groß, dass wir am Sonntag zwei rekordmäßig besuchte Apfel-Veranstaltungen hatten. Neben dem Regionalen Apfelmarkt in Elsenfeld noch die Apfeltage in Ottorfszell - mein Besuch in Ottorfszell hat meinen Sonntag wunderbar abgerundet!

20. Regionaler Apfelmarkt - das beeindruckende Programm des Jubiläums in Elsenfeld

Sonntag, 13.10.2019 ab 11 Uhr rund ums Rathaus
  • Über 35 Stände laden zum Flanieren ein
  • Informative Vorträge im Bürgerzentrum
  • Kunstausstellung der Kindermalschule Liane
  • Keltervorführungen in der Kelterei Geis
  • Informations- und Beratungsmöglichkeiten zu Naturschutz, Obstanbau, Streuobst sowie Garten- und Landschaftspflege
  • Möglichkeit zur Apfelsortenbestimmung durch einen Pomologen (mindestens 3 Äpfel notwendig!)
  • Programm:
11:00 Uhr
Offizielle Eröffnung des 20. Regionalen Apfelmarktes durch die amtierende Apfelkönigin
11:30 Uhr
Big Band der Musikschule Erlenbach
12:00 Uhr
Vortrag: Krankheiten und Schädlinge am Apfelbaum
Thomas Riehl - Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Kitzingen
12:30 Uhr
Verleihung der Urkunde Fairtrade-Kommune an den Markt Elsenfeld mit Torwand-Schießen
13:00 Uhr
Apfelkuchen-Wettbewerb
14:00 Uhr
Vortrag: Mythos Obst - Der Apfel in Frömmigkeit, Alltagskultur und Volksmedizin, Alois Döring
14:00 Uhr
Kinder-Mitmach-Theater: Gustl und der Apfelzwerg
15:00 Uhr
Vortrag: Geschichte des Obstbaus
Josef Weimer - Obstbau-Meister
16:00 Uhr
Vortrag: Erfassung und Erhalt von Kernobstsorten am Bayerischen Untermain, Alexander Vorbeck – Schlaraffenburger Streuobstprojekt
im Anschluss
Film: Von der Wiese in die Flasche
Thomas Staab - Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Gedenken im Kreisausschuss des Kreistags Miltenberg - Anschlag in Halle an der Saale

 



Gedenken zu Beginn der Kreistagssitzung am 10. Oktober 2019


Werte Kreisrätinnen,
werte Kreisräte,
sehr geehrte Damen und Herren,
 
am gestrigen Tag mussten wir ein Verbrechen mitten in einer deutschen Stadt und damit in unserer Mitte erleben, welches ein Angriff auf unsere freiheitliche, demokratische und menschenzugewandte Werteordnung ist.
Bundespräsident F.-W. Steinmeier erklärte gestern angesichts des Verbrechens in Halle an der Saale: "Ein Angriff auf eine vollbesetzte jüdische Synagoge in unserem Land mit unserer Geschichte, am höchsten jüdischen Feiertag, das war mir unvorstellbar."
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
vor den Angriffen auf unsere Werteordnung dürfen und werden wir nicht zurückweichen, wir stehen unerschütterlich für unsere Werte und die Würde eines jeden einzelnen Menschen unabhängig von Glaube, Kultur, Geschlecht oder welchen Merkmalen auch immer ein. Und wir müssen und werden jeden Ansatz von Rassismus und Antisemitismus bekämpfen.
Sowohl im Landkreis Miltenberg beispielsweise mit der Aufnahme der Flüchtlinge in den vergangenen Jahren oder mit vielfältigen Projekten zur Förderung des Miteinanders und zur Erinnerung an die im Holocaust verschleppten und ermordeten Bürger*innen unserer Gemeinden und Städte als auch mit dem von hoher Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt geprägten Diskussionsstil im Kreistag haben wir in der Vergangenheit bereits unseren Beitrag geleistet für eine notwendige Stärkung der Werte unserer Verfassung.
Lassen Sie uns deshalb Solidarität mit unseren jüdischen Bürgerinnen und Bürgern sowie mit allen verfolgten und unterdrückten Menschen üben und stets eintreten für ein menschliches Miteinander in der Achtung der Würde eines jeden Menschen
 

Fragen an den Landrat (13) - Warum kamen diese Woche nicht alle Kinder mit dem Zug zur Schule?




Am Dienstag, 8. Oktober, ereilte mich die Nachricht, dass der Schülerzug von Wertheim nach Miltenberg an den Haltepunkten Freudenberg-Kirschfurt nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler mitgenommen habe.

Im vergangenen Winter hatten wir öfters diese Probleme, weshalb ich mich erfolgreich dafür eingesetzt hatte, dass der Morgenzug zwischen 7 und 8 Uhr in Richtung Miltenberg mit zwei Triebwagen gefahren wird.

Was war nun los? Hier die Erklärung der Westfrankenbahn:

 

Am Montag Nacht hatten wir eine Kuppelstörung an einem unserer Fahrzeuge und konnten das planmäßige 2. Fahrzeug für den 23338 von Wertheim nach Miltenberg am Dienstagmorgen nicht rechtzeitig nach Wertheim überführen. Daher ist die RB 23338 mit einem Zugteil gefahren. Wir haben alles versucht, um einen Busnotverkehr für diesen Zug einzurichten. Es konnte von den umliegenden Busunternehmen niemand aushelfen.

Gestern Morgen, Mittwoch, ist das Fahrzeug, welches in Folge die RB 23338 ab Wertheim fährt, vor Lauda auf einen Baum gefahren und liegen geblieben. Daher konnte ab Wertheim nur der für die Verstärkung vorgesehene Zugteil fahren. 

Unglücklicherweise war jetzt zweimal in Folge der gleiche Zug (Schülerzug Wertheim – Miltenberg) von unterschiedlichen Störungen betroffen.

Seit den Maßnahmen im Frühjahr haben wir den Schülerverkehr sowohl aus Richtung Aschaffenburg als auch aus Richtung Wertheim stabilisieren können. Wir arbeiten selbstverständlich weiter daran, derartige Störungen, welche nie auszuschließen sind, zu vermeiden. Parallel prüfen wir, ob es sinnvolle Alternativen für eine zeitnahe Reaktion gibt.

Es bleibt zu hoffen, dass es nicht mehr häufig zu diesen technischen bzw. unfallbedingten Problemen kommen wird. Der Schülerzug aus Richtung Norden nach Miltenberg wird mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2019 aufgrund der Nachfrage dann sogar mit drei Zugteilen gefahren werden, die beiden Schülerzüge aus Richtung Wertheim bzw. Richtung Amorbach weiter bin den notwendigen zwei Triebwagen. Ausschlaggebend hierfür sind die Bestellungen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Landrat vor Ort (16) - der Integrationsbeirat des Landkreises Miltenberg

Vernetzung und positive Beispiele vorstellen - zwei Aufgaben des Integrationsbeirats im Landkreis Miltenberg - hier das Projektteam von "Schule ohne Rassismus" in Elsenfeld

 

Warum gibt es im Landkreis Miltenberg einen Integrationsbeirat?


Ungefähr jede*r zehnte Bürger*in im Landkreis Miltenberg hat einen ausländischen Pass, deutlich größer ist die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund. Das Zusammenleben im Landkreis Miltenberg funktioniert insgesamt sehr gut, was vor allem Folge der sehr guten Integrationsarbeit jedes einzelnen ist als auch dem Engagement vor Ort.

2015 Initiative zum Integrationsbeirat

Als wir ab dem Jahr 2015 mit einer sehr hohen Zahl von Flüchtlingen konfrontiert wurden, gründete ich auf Landkreis-Ebene einen Fachbeirat, um die Integrationsarbeit im Landkreis Miltenberg zu vernetzen und unterstützen. Im Integrationsbeirat treffen sich seitdem jährlich zwei bis drei Mal Akteure der amtlichen und ehrenamtlichen Integrationsbeirat im Landkreis Miltenberg.

Sitzung im September 2019: Neue Projekte stärken Selbstständigkeit, Toleranz und Miteinander

In den vergangenen Sitzungen wurde die Bitte geäußert, die rechtlichen Rahmenbedingungen für das aktive und passive Wahlrecht von Menschen mit nicht-deutschem Pass hinsichtlich der Kommunalwahl am 15. März 2020 darzustellen: Wer darf bei der Kommunalwahl 2020 im Landkreis Miltenberg wählen, wer darf sich zur Wahl stellen? Diese Fragen hat Kommunaljurist Oliver Feil im Integrationsbeirat im Landratsamt thematisiert.

Wer darf bei der Kommunalwahl am 15. März wählen und gewählt werden?

Kurz und prägnant führte Oliver Feil die Beiräte durch die Wahlen, bei denen Landrat und Kreistag sowie der Großteil der Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte gewählt werden. Wichtig sei, dass jeder EU-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist, wählen dürfe, informierte Feil. Wer sich zur Wahl als Landrat/Landrätin oder Bürgermeister/Bürgermeisterin stellen will, müsse dagegen Deutscher sein – zumindest in Bayern. In den Kreistag oder Gemeinderat könne jeder Unionsbürger gewählt werden, der mindestens 18 Jahre alt ist und seit mindestens drei Monaten im Wahlkreis wohnt. Das führe beispielsweise dazu, dass ein türkischer Mitbürger, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt, von der Wahl ausgeschlossen bleibe. Feil forderte alle Unionsbürger, die spätestens drei Wochen vor dem Wahltermin keine Wahlbenachrichtigung erhalten haben, auf, sich bei der
Gemeinde des Wohnorts zu melden.

Positive Beispiele der Integrationsarbeit

Frauen für Frauen: Motherschool und ganz neu: Fatherschool

Der Verein Frauen für Frauen im Landkreis Miltenberg, bei dem ich als einer der ersten Männer Mitglied wurde.

Der Erlenbacher Verein Frauen für Frauen, Träger des Bayerischen Integrationspreises 2017, ist nach wie vor eifrig dabei, Projekte zur Prävention und Unterstützung rund um die Familie zu entwickeln und insbesondere das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit von Frauen zu stärken. Laut der Vereinsvorsitzenden Nilüfer Ulusoy sei das Projekt Motherschool mit türkischen und arabischen Frauen mittlerweile abgeschlossen. Dabei habe man den Müttern gezeigt, wie stark sie sind.

In zehn Wochen habe man die Frauen in ihrer Muttersprache unterrichtet und sie unter anderem für die Gefahren von extremistischen Ideologien sensibilisiert. Eine Fortführung dieser Aktionen sei der Mütterkreis, bei dem Frauen ihre Erfahrungen an andere Mütter weitergeben und quasi Multiplikatoren sind.

Neu sei in Anlehnung an die Motherschool die Fatherschool. Das Projekt sei einzigartig, informierte Ulusoy. Man habe dazu 15 Väter interviewt und ausgehend von diesen Er-kenntnissen ein Handbuch entwickelt. Mit diesem als Grundlage werde man nun die Väter unterrichten.

Mit „Leben in Bayern“ vermittele man Zugezogenen aus anderen Kulturkreisen, wie der Alltag in Bayern funktioniert und welche Werte hier gelebt werden. Ziel ist es, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer praktische Hilfen für ihr Leben in Bayern erhalten und die einheimische Lebensart kennenlernen. Das umfasst neben Erziehung, Bildung und Gesundheit auch alltägliche Dinge wie Mülltrennung. Im Zusammenhang mit dem Thema Gesundheit empfahl der Landrat dem Verein, den Kontakt zur „Gesundheitsregion plus Landkreis Miltenberg“ zu suchen. Erfreute teilte Nilüfer Ulusoy mit, dass man das Projekt Elterntalk mittlerweile auf den Südlandkreis ausgeweitet hat, auch der Sprachvermittlerdienst laufe sehr gut.

Schule ohne Rassismus: Das Projekt "Chip The Cookie! in Elsenfeld

Wie die Realschule Elsenfeld, zertifizierte „Schule ohne Rassismus“, mit „Chip The Cookie“ ein Erfolgsprojekt ins Leben gerufen hat, erklärte Lehrerin Cordula Hunze-Lee. Um das im Auftrag der Realschule geschriebene Anti-Rassismus-Theaterstück „Die Anderen“ zu finanzieren, habe die Schule „Chip The Cookie“ entwickelt, so Hunze-Lee. Die Idee dahinter: Selbst gebackene Kekse werden in von Schülern bemalten Kekstüten verkauft. Aus dem Erlös wurde das Theaterstück bezahlt, weitere Einnahmen finanzieren Events gegen Rassismus und für Gleichberechtigung, Toleranz und Akzeptanz. Gerade weil das Projekt so einfach sei, habe man großen Erfolg, freute sich die Lehrerin. Dank Unterstützung durch die Stiftung gegen Rassismus habe man sogar Kontakt zu Prominenten wie Ulrich Wickert gehabt, der eine Kekstüte bemalt habe. Für die Aktion habe man in den sozialen Medien viel Häme von Rechten geerntet, berichtete Hunze-Lee. Man habe sich aber nur kurz geschüttelt und weitergemacht, blickte sie zurück und stellte fest: „Es lohnt sich, für Toleranz zu kämpfen.“ „Chip TheCookie“ werde weitergehen, so kündigte sie unter anderem eine Autorenlesung mit Manik Chander an. Gemeinsam mit der Richard-Galmbacher-Schule laufe ein Malwettbewerb, auch werde die Zusammenarbeit mit dieser Schule durch das Projekt „Zusammen Feuer und Flamme für Toleranz – Rassismus kommt uns nicht in die Tüte“ gestärkt.

Während die Schülerinnen und Schüler der Galmbacher-Schule aus Teefiltern, Sägespänen und Altwachs recycelte Kaminanzünder basteln, sammle man an der Realschule Milchpacks und gestalte sie zu hübsch gestalteten Tüten um.

Die Waren werden beim Schulfest der Realschule sowie beim Adventsbasar der Galmbacher-Schule verkauft. „Wir wollen beide Schulen zusammenbringen“, begründete Hunze-Lee die Aktion, aber man wolle auch anlässlich der „Woche der Nachhaltigkeit“ etwas für die Umwelt tun. 
 

Unser Landkreis Miltenberg ist bunt wie seine Menschen

Unser Landkreis ist bunt und vielfältig wie seine Menschen - täglich leisten wir Engagement für das gute Miteinander, am 14.9.2018 zeigten wir ein deutliches öffentliches Zeichen für unsere Werte!

Freitag, 4. Oktober 2019

Landrat vor Ort (15) - In Niedernberg zum Thema Klimaschutz & Mobilität


Volles Haus im Gasthaus "Zur Gemütlichkeit" in Niedernberg. Eine rege Diskussion schloss sich meinem Fachvortrag an.

 

Landrat vor Ort auf Einladung von IMUN in Niedernberg

 
Das Format »Landrat vor Ort« gibt den Bürgern Gelegenheit, sich über Kreispolitik zu informieren und mit mir als Landrat auf Augenhöhe zu diskutieren. So geschehen am Dienstag in Niedernberg. Eingeladen hatten die Gruppe IMUN (Initiative Mensch und Umwelt, Niedernberg) mit Sigmar Buhler an der Spitze zum Schwerpunktthema Klimaschutz und Mobilität. Eine lebendige Diskussion mit vielen Wortbeiträgen entwickelte sich.
Kritische Nachfragen zu neuen Straßenbauprojekten 
Bei den Nachfragen zur Ortsumgehung Sulzbach stellte ich klar, dass für dieses staatliche Projekt im Auftrag des Marktes Sulzbach weder Kreistag noch Landkreisverwaltung zuständig seien. Nach
meiner persönlichen Meinung gefragt sagte ich unmissverständlich: Es ist ein Irrglaube, dass nur immer mehr Straßen unsere Probleme lösen. Es müsse an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden, damit gerade der Individualverkehr reduziert werde und die Menschen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr oder bei Kurzstrecken aufs Fahrrad umsteigen könnten. Die Menschen brauchen auch Alternativen zum Auto! 
 
Potentiale des Radverkehrs besser nutzen
Mit dem vom Kreistag in Auftrag gegebene und verabschiedete Radwegekonzept, das gerade für Pendler*innen auf Kurzstrecken eine Alternative zum Auto ermöglichen solle, wollen wir die Potenziale des Fahrrads besser nutzen. Die Strecken von Ort zu Ort müssten so gestaltet werden, dass das Fahrradfahren richtig interessant werde. Hier seien die Kommunen gefordert, gemeinsam mit dem Landkreis und dem Staatlichen Bauamt die Situation zu verbessern und bestehende Lücken zu schließen. Insgesamt 58 Millionen Euro umfasst das Radwegekonzept insgesamt, eine Jahrzehnteaufgabe also.
Der Landkreis selbst entwickelt seinen bisherigen Kreisstraßen-Sanierungs-Haushalt weiter zu einem Kreisstraßen-Sanierungs- und Radwegebau-Haushalt.
 

Bahn & Bus stärken: Taktverdichtung und Elektrifizierung

 
Weiterhin bewege sich bei den Mobilitätsträgern Bus und Bahn viel in die positive Richtung: Die Elektrifizierung der Maintalbahn von Miltenberg nach Aschaffenburg sei von der Staatsregierung beschlossen und liege beim Bund zur Umsetzung, wenngleich erst sie erst 2030 zu erwarten sei. Fahrplankonzepte würden derzeit aufgearbeitet. Ab Dezember 2019 fahren die Expresszüge unter der Woche im Ein-Stunden-Takt, ebenso die Regionalbahn am Wochenende. Weiterhin vorgesehen sei eine Ertüchtigung der Bahnstrecken nach Wertheim und Amobach-Seckach.
 

Bus & Bahn: Schnelle Busverbindung zur S-Bahn

Desweiteren arbeiten wir an einem Buskonzept, um eine schnelle Anbindung an die S-Bahn nach Rhein-Main zu erhalten. Gerade für Pendler ist dies wichtig. Zudem wird eine Verbesserung  der Taktung in den Abendstunden und am Wochenende angestrebt, hier steht eine Konzepterstellung mit einem "Rufbus plus" an. Ich räume ein, dass die Schnittstelle von VAB und RMV unbefriedigend sei. Um dies zu verbessern, wurde nun eine Arbeitsgruppe für Mobilität gegründet. Die ist eine Folge des seit 2017 aktiven Strategieforums der Metropolregion FRM. Konkrete Ziele sind u.a. ein Handyticket und ein gemeinschaftliches Jobticket zu entwickeln. Der Landkreis Miltenberg strebt an, sich im bayerischen Modellversuch für ein 365-Euro-Ticket mit länderübergreifender Option stark zu machen.

 

Klimaschutz radikal heißt: Umsetzen statt lamentieren

 
»Wir müssen handeln, statt lamentieren«, so mein Credo. Auch wenn es oft kleine Schritte zur Verwirklichung seien. Er verwies auf die Aktion Fridays for Future. Sie hat sich zu einer großen Bewegung für den Umweltschutz entwickelt. Der Klimaschutz ist zu packen, wenn die Menschen zeigen, dass er ihnen wichtig ist und so die Politik gezwungen ist zu reagieren.

Landschaftsschutz stärken - regionale Produkte fördern

 
Ein Thema war auch der die Versiegelung der Flächen, der von den Besuchern beklagt wurde. Ebenso wurde eine bessere Vermarktung der regionalen Produkte gefordert, um auch den Landschaftsschutz durch die Landwirte zu unterstützen. Hier stehe ich für einen Ausbau der Initiative „Fair und regional – einfach genial“ mit Unterstützung eines Förderprogramms der Staatsregierung vor, welches in Kürze dem Kreistag vorgelegt werde. Nach gut zwei Stunden Diskussion endete die Veranstaltung mit einem Schlusswort von Siegmar Buhler. Er forderte dazu auf, sich aktiv in der Politik einzumischen und für die Kommunalwahlen 2020 zur Verfügung zu stehen. Richtig so: Freiheit und Demokratie leben vom Mitmachen!


Donnerstag, 3. Oktober 2019

Fragen an den Landrat (12) - Warum müssen die Abfallgebühren steigen?

Hier die Entwicklung der Müllgebühren seit 1995 mit dem Entwurf ab 2020.

 

Müllgebühren werden erstmals seit den 90er Jahren steigen

Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises müssen sich nach Jahren stabiler und teilweise sogar gesunkener Abfallgebühren auf steigende Gebühren gefasst machen, wie aus der Neukalkulation hervorgeht. Ein besonderer Faktor ist dabei, dass Gebührenüberschüsse aus der Vergangenheit nun aufgebraucht sind und nicht mehr zur Entlastung zur Verfügung stehen.
 
Beabsichtigt ist ein Gebührenniveau im Bereich des Jahres 2009. Die endgültige Entscheidung darüber wird der Kreistag treffen, der Ausschuss für Energie, Natur- und Umweltschutz wird sich in seiner nächsten Sitzung ausführlich mit dem Thema befassen.

Ausführliche Vorberatung im Ausschuss


Am Dienstag war dem Ausschuss für Energie, Natur- und Umweltschutz die Neukalkulation ausführlich vorgestellt worden, auch konnten die Mitglieder die Vertreter des Büros Econum (Ludwigsburg) detailliert befragen. Jens Petschel rief dem Gremium in Erinnerung, dass der aktuelle Kalkulationszeitraum für die Abfallgebühren Ende 2019 endet und dass der Arbeitsauftrag für sein Büro gelautet habe, für den Zeitraum 2020 bis 2023 das neue Rechenwerk zu erstellen, ohne dass sich strukturelle Änderungen bei der Entsorgung ergeben.

Die Fachleute hatten zunächst die Grundlagen mit allen Kostenstellen (etwa Müllmenge, Preise, Personal- und Betriebskosten, Verwaltungskosten, kalkulatorische Kosten, Kosten für die Deponien) ermittelt, daraus die Gesamtkosten festgestellt und danach alle Einzelpositionen neu kalkuliert, so dass die Abfallgebühren in den kommenden vier Jahren kostendeckend sind. In den Prognosen für den neuen Vierjahreszeitraum habe sich Petschel zufolge herausgestellt, dass die laufenden Kosten in allen Bereichen seit Beginn des letzten Kalkulationszeitraums zum Teil sehr deutlich gestiegen sind, auf der anderen Seite hat sich die Einnahmesituation – etwa durch die Verwertung von Altpapier und Elektroschrott – deutlich verschlechtert. Zudem habe der Landkreis in den letzten Jahren die Abfallgebühren mit der Einrechnung von Überschüssen aus Vorjahren stabil halten oder sogar senken können. Diese Überschüsse seien auf nahezu Null abgeschmolzen, so dass diese Summe – zuletzt rund 1,9 Millionen Euro im Jahr 2019 – künftig nicht mehr zur Verfügung steht. Petschel kam zur Erkenntnis, dass die Kosten der Abfallwirtschaft von etwa 9,7 Millionen Euro im Jahr 2019 künftig im Mittel um rund 3,8 Millionen Euro pro Jahr steigen würden (+ 39 Prozent).
 
 

Unabänderliche Mehraufwendungen

Die Mehraufwendungen teilen sich wie folgt auf:

  • 1,753 Millionen Euro Entfall der Gebührenüberschüsse
  • 821.000 Euro Mehrkosten für Leistungen der Abfalllogistik und erhöhte Kosten für die Verbrennung
  • 218.000 Euro für notwendige Ersatzinvestitionen, kalkulatorische Kosten für den neuen Deponieabschnitt der Deponieklasse-II-Deponie und Zuführungen zur Rückstellung der Deponien-Nachsorge
  • 187.000 Euro für die Betriebssachkosten
  • 192.000 Euro für die Personalkosten unter Berücksichtigung der tariflichen Steigerungen.


Darüber hinaus rechnen die Experten mit deutlich niedrigeren Erlösen aus der Verwertung von Altpapier (nur die Hälfte des Preises im Jahr 2019), Elektroschrott und Altschrott. Auch entfallen die Elektroschrotterlöse von Oktober 2020 an. Dies schlägt mit weiteren 600.000 Euro zubuche.
 
Um die Kosten des künftig rund 13,46 Millionen Euro umfassenden Müllhaushalts zu decken, bedeute dies deutlich steigende Gebühren. Die Erhöhungen fallen in den jeweiligen Gebührenbereichen aber nicht durchgehend an, es wird weiter differenziert. Beispiel: Für die privaten Haushalte kostet ein 60-Liter-Behälter (mit Bioabfall) pro Monat statt 14 Euro künftig 16,60 Euro, Eigenkompostierer zahlen für das gleiche Gefäß statt 13 Euro künftig 15,10 Euro pro Monat. Bei der 120-Liter-Tonne sind es (mit Bioabfall) künftig 23,50 Euro, für Eigenkompostierer 21,80 Euro. Die Gebühren für Selbstanlieferer auf den Deponien und in der Müllumladestation steigen ebenfalls. Alle zu erwartenden Müllgebühren können in der folgenden Datei eingesehen werden:
  
 
Zahlreiche Fragen kennzeichneten die Diskussion im Gremium, auch nahmen die Vertreter des Büros Econum einige Arbeitsaufträge für die nächste Sitzung mit. Ruth Heim, Leiterin der kommunalen Abfallwirtschaft am Landratsamt, wies mehrfach darauf hin, dass die letzte Müllgebührenkalkulation schon lange zurück liege und sich in der Zwischenzeit viele Kosten deutlich erhöht hätten – etwa der Mülltransport. Zudem sei mit massiven Erhöhungen für die Entsorgung des Restabfalls zu rechnen, sagte sie und erklärte, dass diese Gebühren in der Vergangenheit nicht kostendeckend gewesen seien. „Die Preise für die Verbrennung steigen“, stellte sie fest und Jens Petschel kommentierte, dass der Landkreis selbst mit diesen Preisen noch glücklich sein könne im Vergleich mit anderen Gebietskörperschaften. Durch die Bereitstellung neuer Deponieflächen und die damit einhergehenden höheren Kosten – unter anderem für die Deponienachsorge – müssten laut Heim auch die Kosten für die Selbstanlieferungen deutlich steigen. Schon jetzt kämen Anlieferer mit Müll aus anderen Bundesländern, allerdings nehme man nur Anlieferungen aus dem Landkreis an.
 

Freimengen bleiben bestehen!


„Die Freimengen bleiben unverändert“, sagte Landrat Jens Marco Scherf am Ende der Sitzung und Ruth Heim zeigte anhand zweier Balkendiagramme, dass selbst die steigenden Gebühren immer noch niedriger sind als im Jahr 2009 und den Jahren davor:



Mittwoch, 2. Oktober 2019

Fragen an den Landrat (11) - Wie erhalte ich die deutsche Staatsbürgerschaft?



Es ist vollbracht - der Eid auf die deutsche Staatsbürgerschaft, die Urkunde in der Hand und die Glückwünsche des Landrats entgegen genommen!

Wie werde ich deutsche Staatsbürgerin - oder deutscher Staatsbürger?


Nicht erst durch die große Zuwanderung von Gastarbeitern in den 60er Jahren, mittlerweile ist es Realität, dass jährlich Menschen aus der ganzen Welt nicht nur zu uns nach Deutschland, sondern auch zu uns in den Landkreis Miltenberg kommen. Manchmal sind es verwandtschaftliche Beziehungen, mal ist es die Liebe oder die Suche nach Fachkräften. Doch noch weiter ist der Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft.
 
Im Sommer 2019 sind 30 Männer und Frauen am Ziel eines langen Weges zur Integration angekommen: Für mich ist es immer ein besonderer Moment, wenn ich den Menschen im großen Sitzungsaal des Landratsamts ihre Einbürgerungsurkunden überreichen darf.

 

Der Landkreis Miltenberg - Ort der ersten Demokratie auf deutschem Boden!

Vor zahlreichen Gästen aus der Kommunalpolitik betone ich die Bedeutung dieser Entscheidung. In einer Demokratie wie Deutschland ist die Staatsbürgerschaft weit mehr als ein Dokument, gerade im Landkreis Miltenberg spüren wir die besondere Bedeutung von Demokratie. Deutschland hat seine ersten freiheitlich-demokratischen Wurzeln der Mainzer Republik der Jahre 1792 und 1793 auch dank Kämpfern wie dem gebürtigen Obernburger Adam Lux geschlagen. Die gewonnene Freiheit gibt den Menschen großen Freiraum, sagte der Landrat und forderte alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich zu engagieren – in Vereinen und Verbänden, in Hilfsorganisationen und in der Politik. Engagierte Bürgerinnen und Bürger braucht es besonders angesichts der jüngsten Ereignisse wie der Bedrohung durch rechtsextreme Terrorbanden, aber auch durch die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Es gibt Menschen in diesem Land, die wollen nicht nur unsere Grundwerte wie Freiheit, Würde des Menschen, Bekenntnis zur Menschlichkeit zerstören, sie wollen uns durch Taten, die bis zum Mord gehen, Angst machen. Von Einbürgerung geht aber ein ganz anderes Signal aus – nämlich ein Bekenntnis zu den starken Werten der Freiheit und Menschlichkeit.
Scherf dankte den Neubürgerinnen und Neubürgern ausdrücklich, dass sie den Weg der Einbürgerung gegangen sind. Denn gemeinsam sind wir stark, gemeinsam stehen wir für unsere Werte ein.

Ein Beispiel für Interessierte an der deutschen Staatsbürgerschaft


Für die Eingebürgerten berichtete Carly Bryant von ihrem Weg zur deutschen Staatsbürgerin. Seit 30 Jahren lebt die gebürtige Britin im Landkreis Miltenberg, besuchte hier die Schule und arbeitet bei der Firma PPG Hemmelrath. Hier, sagte sie, genieße sie die Gemeinschaft in dörflichen Gegenden und habe den Wert des Vereinslebens schätzen gelernt. Sie habe viele Freundschaften geschlossen und viele positive Erfahrungen gemacht, berichtete sie. Deshalb sei es jetzt Zeit, sich zu dem Ort zu bekennen, der zu ihrer Heimat geworden ist. Bei ihrer Entscheidung habe aber auch die politische Lage in England eine Rolle gespielt, denn sie wisse nicht, ob es bei einem Brexit für sie zu Schwierigkeiten kommen könnte.

Musikalisch umrahmt wurde die Einbürgerungsfeier vom Klarinettenduo der Musikschule Miltenberg mit Klara Paulus und Charlotte Hinz. 
 

Interesse an der deutschen Staatsbürgerschaft - wir beraten Sie in Ihrem Landratsamt: Tel.:09371-5010