Mittwoch, 18. März 2020

Fragen an den Landrat (53) - Was macht die Weinheimer Initiative?




Arbeitstagung 2019 im Landratsamt Miltenberg


Im Landkreis Miltenberg fand die jährliche Arbeitstagung der Weinheimer Initiative im Landratsamt statt. Fachleute aus ganz Deutschland diskutierten Ende November über das bisher Erreichte, tauschten unterschiedliche Ansätze aus und warfen einen kritischen Blick auf die Bildungskoordinierung.

Landkreis Miltenberg ist Teil der Weinheimer Initiative

 
Der Landkreis Miltenberg ist seit Oktober 2018 Mitglied in dieser bundesdeutschen Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die kommunale Koordinierung bei der Gestaltung der Übergänge von der Schule in die Arbeitswelt weiter zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur darum, sich für die Verantwortung der Kommunen bei diesem Übergang stark zu machen, sondern sich auch für die Umsetzung geeigneter Rahmenbedingungen einzusetzen. Gerade die hohe Bedeutung der beruflichen Bildung hatte den Kreistag auf Antrag von Kreisrat Dr. Heinz Kaiser veranlasst, dieser Initiative beizutreten.
 

Konkrete Arbeit im Zentrum der Bildungs-Initiative


Bei der Initiative handelt es sich in erster Linie um eine Arbeitsgemeinschaft, in der das Mitmachen gefragt ist. Dass die Arbeit dieser Initiative als wertvoll gesehen wird, lässt sich an der Mitgliedschaft zahlreicher Städte (unter anderem Dortmund, Freiburg, Kassel, Karlsruhe, Stuttgart und Kiel), aber auch Landkreisen wie Göttingen, Offenbach, Rhein-Neckar und auch Miltenberg) ablesen. Sie alle eint die Gewissheit, dass die lokale und regionale Handlungsebene eine besondere Verantwortung im sogenannten Übergangsmanagement hat. Dafür aber braucht es Ressourcen, war in der Sitzung mehrfach zu hören – sowohl personeller als auch finanzieller Art.

Kommunale Verantwortung für die Bildung sollte Pflicht sein! 


Welche Modelle haben sich bewährt? Welche Rahmenbedingungen braucht es? Auf diese Fragen gelte es ständig Antworten zu finden, so das Fazit der Arbeitstagung. Denn, auch in dieser Frage sind sich alle Akteure einig, der Übergang von der Schule in den Beruf sei eine extrem wichtige Weichenstellung für das künftige Leben jedes Auszubildenden. Dass das nicht einfach ist, ist klar: Sowohl Schule wie auch Wirtschaft sind ihren speziellen rechtlichen und fachlichen Rahmenbedingungen unterworfen, auf die die Initiative keinen oder nur geringen Einfluss hat. Deshalb brauche es für den Erfolg eine „lokale Verantwortungsgemeinschaft“ unter Beteiligung alles Akteure, die auf Übergänge und Bildungsbiografien Einfluss haben. Deshalb heißt es im Positionspapier der Initiative ganz klar: Die Übernahme kommunaler Verantwortung für Bildung und Übergänge muss eine politische Pflichtaufgabe sein. Rein rechtlich gesehen, ist sie de facto aber eine freiwillige Leistung.

Unterschiedliche Formen des Engagements von Landkreisen 


In mehreren Referaten entwickelte sich am Donnerstag und Freitag am Ende ein uneinheitliches Bild von Bildungskoordinierung, Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring. Das Vorgehen unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, aber auch auf Landkreis- und Stadtebene. Im Landkreis Dithmarschen etwa ist das Bildungsbüro mit zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt, von denen der Landkreis zwei auf der Lohnliste hat, im Landratsamt Miltenberg kümmert sich Tim Steinbart um Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring. Andere Landkreise wie etwa Rhein-Neckar machen sich gerade auf den Weg und wollen von den vielen Erfahrungen der Mitglieder der Weinheimer Initiative profitieren.

Es kommt auf die Wirkung von Maßnahmen an! 


Auch dem Bildungsmonitoring messen die Mitglieder der Initiative große Bedeutung bei, denn nur so könne man abbilden, welche Maßnahmen notwendig sind, um die jeweils am besten geeigneten Modelle zu entwickeln. Das Monitoring müsse als Grundlage für eigene Entscheidungen dienen, sagte ein Tagungsteilnehmer. So habe man im Landkreis Recklinghausen dank eines eigenen Schulentwicklungsprogramms das Bildungsniveau im dortigen Berufskolleg – eine Schulform, die auf die Sekundarstufe II ausgerichtet ist und sowohl den Hauptschulabschluss ermöglicht wie auch Fachschulen umfasst – deutlich verbessert. Das, zeigte sich Richard Schröder (Kreisverwaltung Recklinghausen) überzeugt, wäre ohne Bildungsmonitoring nicht möglich gewesen.

Landkreis Miltenberg kooperiert mit seinen Gemeinden 


Der Sprecher der Weinheimer Initiative, Heiner Bernhard, zeigte sich an Ende der Tagung sehr beeindruckt von der Art und Weise, wie der Landkreis Miltenberg als Dienstleister für die Kommunen beispielsweise bei der Digitalisierungsplanung der Schulen aktiv sei. Diese Arbeit erfolge zwischen Landkreis und Kommunen auf Augenhöhe, bestätigte Landrat Jens Marco Scherf, der auch die Zusammenarbeit im Sinne der Datenschutzgrundverordnung und der IT-Sicherheit anführte. Dabei gehe es um eine gemeinsame Planung, ohne die Eigenständigkeit auf gemeindlicher Ebene zu verletzen. Diese Hilfe wolle man aber nicht nur auf die technische Seite reduzieren, denn hinter der Digitalisierung der Bildung stecke weit mehr als nur die technische Ausstattung der Schulen.  Es gelte auch die Frage zu beantworten, welche Anforderungen die Digitalisierung an eine gute Bildung stelle. Es sei wichtig, den Menschen die Kompetenz zu vermitteln, damit sie mit der Digitalisierung umgehen können, so der Landrat abschließend.

 

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