Liebe Bürgerinnen und Bürger,
seit fast einem
Vierteljahrhundert gibt es in Bayern das Projekt UMWELTPAKT. Mir ist es ein
besonderes Anliegen, Unternehmen und Betriebe aus dem Landkreis Miltenberg mit
der Urkunde für den Umweltpakt des Freistaates Bayern auszuzeichnen. In den
vergangenen Wochen konnte ich das gleich dreimal stellvertretend für den
Bayerischen Umweltminister Glauber tun.
Warum ist mir das so wichtig?
Die drei Beispiele der Unternehmen aus Amorbach, Obernburg und Miltenberg aus
unterschiedlichen Branchen verdeutlichen dies. Der Klimaschutz gelingt nur
gemeinsam – und jede*e von uns kann seinen Beitrag leisten!
Volkhardt
Caruna Medien Amorbach

Den Anfang hat vor einigen
Wochen das Amorbacher Unternehmen Volkhardt Caruna Medien gemacht. Mit der
Urkunde zum Umweltpakt Bayern werden Unternehmen und Betriebe ausgezeichnet,
die Umweltschutz- und Klimaschutzprojekte erfolgreich umgesetzt haben. In
Amorbach überreichte ich Geschäftsführer Benedikt Foit die Urkunde im Auftrag
von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber.
Foit, der seit einem Jahr die
Geschäfte des traditionsreichen Unternehmens leitet, kann bei seinem Engagement
für den Umwelt- und Klimaschutz auf die Vorarbeit seines Vater Josef aufbauen,
der bereits in den 90er Jahren verträgliches Handeln in sozialer und
ökologischer Hinsicht eingeführt hatte. Diese Unternehmensphilosophie setzt
Sohn Benedikt nun nahtlos fort. Er begann mit dem Austausch der Beleuchtung und
dem Umstieg auf sparsame LEDs, auch stand die Energieeffizienz auf Foits Agenda.
Diesen Aspekt verband er mit regionalem Handeln, indem er sich dem
Nahwärmeverbund Amorbach anschloss, der Wärme mittels Holzhackschnitzeln
produziert. So entfiel die zentrale Ölheizung und brachte dem Unternehmen, das
pro Jahr 80 Megawattstunden benötigt, eine enorme CO2-Einsparung.
Damit aber nicht genug:
Volkhardt Caruna produziert nachhaltig und darf seine Produkte mit dem Prädikat
„klimaneutral gedruckt“ versehen. Das geschieht unter mit der Kompensation von
CO2-Emissionen mittels einer Klimaabgabe an den zertifizierten
Partner Nature Office. Besonders gut funktioniert das in Kooperation mit einem
Startup aus dem Schwarzwald, für das Volkhardt Caruna Bedienungsanleitungen für
Corona-Testkits druckt. Im Gegenzug finanziert das Amorbacher Druckunternehmen
ein Aufforstungsprojekt im Schwarzwald. Auch wurden umweltschonende
Ersatzstoffe eingeführt, die umweltschädliche Mittel weitestgehend ersetzen.
Besonderen Wert legt Benedikt
Foit auf Kreislaufwirtschaft. So werden alle Abfallprodukte – darunter etwa 110
Tonnen Papier pro Jahr – konsequent getrennt und so bestmöglich in den
Kreislauf zurückgegeben. „Kreislaufwirtschaft ist der einzige Weg, um wirklich
nachhaltig zu leben“, ist er überzeugt. Um Kreisläufe zu schaffen, werden im
Unternehmen alle Materialien so gestaltet, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus
als Grundlage für etwas Neues dienen. Dazu werden verschiedene Materialien
getestet. Das sei nicht einfach, gesteht Foit, denn dies müsse man auch den
Kunden kommunizieren. Aber er hat beobachtet, dass von seinen Kunden zunehmend
Nachfragen nach nachhaltigen Produkten kommen. So will Volkhardt Caruna, das
jüngst einen kleinen Verpackungshersteller integriert hat,
Confiserie-Verpackungen von PVC-Blistern auf Papierschachteln umstellen, die
leicht recycelbar sind. „Wir wollen als Unternehmen auch Vorbild in Sachen
Nachhaltigkeit sein“, sagt Foit, der in Kürze auch mit einer Photovoltaikanlage
einen Teil der stromintensiven Produktion mit Sonnenenergie decken will.
Das Unternehmen ist darüber
hinaus mehrfach zertifiziert – unter anderem nach FSC und PEFC und lässt sich
ständig von unabhängigen Auditoren überprüfen
Um im Umwelt- und Klimaschutz
voranzukommen, braucht es viele kleine Initiativen vor Ort, so ist das
Amorbacher Druckhaus ein Vorbild für andere Unternehmen. Vor allem der
Photovoltaik räume ich im Hinblick auf lokales Handeln große Chancen ein, denn hier
sei noch sehr viel Potenzial am Untermain vorhanden. Jeder Hausbesitzer kann
etwas tun, ein Blick in das Solarpotenzialkataster, das unter www.solare-stadt.de/bayerischer-untermain/Solarpotenzialkataster für
jedes Haus am Untermain die Eignung und Kosten für eine Anlage ausrechnet,
lohnt sich.
Altstadtbäckerei
Obernburg

Mitte
Juli konnte ich dann für die erfolgreiche Umsetzung betrieblicher Maßnahmen im Sinne
des Umwelt- und Klimaschutzes dem Inhaber der Altstadt-Bäckerei Obernburg, Nick
Braunwarth, die Teilnahmeurkunde am Umweltpakt Bayern überreichen.
1995 war der betriebliche Umweltschutz in Form
des Umweltpakts Bayern erstmals im Fokus. Ziel war und ist es immer noch,
Betriebe, Unternehmer und staatliche Einrichtungen dazu zu motivieren,
betrieblichen Umweltschutz über die gesetzlichen Vorgaben hinaus umzusetzen.
Mit dem aktuellen Umwelt- und Klimapakt arbeiten die Bayerische
Staatsregierung, die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), der
Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) sowie der Bayerische
Handwerkstag (BHT) gemeinsam daran, Lösungen im Umgang mit herausragenden
Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln, um Umwelt- und Klimaschutz in
Unternehmen und Betrieben voranzubringen.
Für Nick Braunwarth ist die Teilnahme am
Umweltpakt nichts Neues – schon seit Vater hat 1996 daran teilgenommen.
„Nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz war auch immer mein Bestreiben“,
begründet Braunwarth seine Motivation, das Werk des Vaters fortzusetzen.
Viele Maßnahmen gehören seitdem dazu: Die
Dämmung des Betriebsgebäudes nach neuester Dämmverordnung, die Abfalltrennung
in mindestens acht Sparten und der Einsatz einer Wärmerückgewinnung an den Öfen
und der Kühlung zur Aufheizung des Brauchwassers, der Raumheizung oder der
Kühlung. Er entlastet mit dem Einsatz eines Fettabscheiders die
Abwasserkanalisation, setzt LEDs als Beleuchtung ein, nutzt Geräte mit hoher
Energieeffizienz und bezieht ausschließlich Ökostrom – alle diese Bausteine
werden mit der Verleihung der Urkunde gewürdigt.
Klimaschutz heißt für Nick Braunwarth zudem,
regional zu denken. So bezieht er sein Mehl von regionalen Mühlen, auch
verwendet er seit 2020 den sogenannten Wasserschutzweizen – einen Weizen, der
nur zweimal gedüngt wird und der deshalb etwas weniger Protein enthält. Für
seine Backprodukte ist das kein Problem, sagt er. Seine soziale Ader zeigt
Braunwarth aktuell auch dadurch, dass er sich an der Aktion „Flut-Brot“ des
Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks beteiligt. Dabei geht ein Euro
pro verkauftem Brot an Bäcker, die von der Flutkatastrophe betroffen sind. Mit
der persönlichen Überreichung der Teilnahmeurkunde an Nick Braunwarth wollte
Landrat Jens Marco Scherf zeigen, dass ihm der lokale Einsatz für den Umwelt-
und Klimaschutz sehr am Herzen liegt. Man könne nicht darauf warten, dass
solche Vorgaben von der Politik kommen, so Scherf im Gespräch mit Braunwarth,
vielmehr müsse vor Ort etwas passieren. Egal ob Kleinstbetrieb,
mittelständisches Unternehmen oder Großbetrieb – viele kleinere Schritte wie
die in der Bäckerei Braunwarth führten in der Summe zum Erfolg. Aber auch die
privaten Haushalte hätten bereits viel geleistet und in den vergangenen Jahren
große Mengen CO2 eingespart, lobte der Landrat.
Aller
guten Dinge sind drei, so konnte ich zum Ende Juli noch ein
handwerksunternehmen aus Miltenberg auszeichnen:
Klemens
Ott GmbH Miltenberg

Für erfolgreiche Bemühungen um
den betrieblichen Umwelt- und Klimaschutz habe ich die Teilnehmerurkunde am
Umweltpakt Bayern an den Geschäftsführer der Firma Klemens Ott GmbH, Peter J.
Ott, Bauleiter Jonathan Ott und Marketingleiterin Monika Klein überreicht.
Das 1960 gegründete
Miltenberger Dachdeckerunternehmen hat sich schon früher am Umweltpakt Bayern
beteiligt und arbeitet ständig an der weiteren Verbesserung des Umwelt- und
Klimaschutzes in der Firma. Ausgezeichnet wurde das Unternehmen nun unter
anderem für den Einsatz von wassersparender Anlagentechnik, der Trennung von
Abfällen in mindestens acht Sorten, die regelmäßige Information der
Mitarbeiter*innen über Energieeinsparung im Betrieb sowie den Einsatz von
LED-Leuchtmitteln in mindesten 60 Prozent der Leuchtkörper.
Darüber hinaus zeigte
Geschäftsführer Peter J. Ott beim Betriebsrundgang die Photovoltaikanlage auf
dem Dach, die Teilsanierung der Betriebsgebäudehülle sowie den Fuhrpark, der
zum Teil auf Hybrid- und Elektrotechnik setzt. Auch ein Lastenfahrrad ist im
Einsatz. Danke leichter, moderner Nutzfahrzeuge liegt der durchschnittliche
Treibstoffverbrauch bei unter zehn Litern Diesel – ein guter Wert für
3,5-Tonnen-Fahrzeuge.
Doch auch bei der täglichen
Arbeit auf den Baustellen arbeitet das Unternehmen umweltfreundlich: So
verwendet man Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, verzichtet auf nicht
zertifiziertes Tropenholz und verwendet zu über 80 Prozent heimische Hölzer. Im
Büro wurde die Menge des verbrauchten Druckerpapiers durch den Einsatz eines
Dokumentenmanagementsystem um über 50 Prozent reduziert. Eine große
Investition, die sich aber lohnt“, so Geschäftsführer Ott, der sich über Anerkennung
sehr freute. Jeder Beitrag zum betrieblichen Umwelt- und Klimaschutz ist
wichtig, denn nur mit vielen einzelnen Schritten engagierter Menschen erreichen
wir das große Ziel eines wirkungsvollen Klimaschutzes. Deshalb liegt es mir so
am Herzen, dieses Engagement persönlich zu würdigen und jedes Unternehmen
selbst zu besuchen, denn: Die Umweltpakt-Urkunde zeigt der Öffentlichkeit,
welche Arbeit von den Firmen zum Schutz der Ressourcen geleistet werden und
motiviert zum Nachahmen.
Und schon im Frühjahr 2021 konnte ich das Unternehmen Adapt in Großheubach auszeichnen ….
…. sowie vier weitere Unternehmer:

Viele eindrucksvolle Vorbilder, die Unternehmertum mit Verantwortung leben!
Mehr Informationen rund um die
Energiewende und den Klimaschutz am Bayerischen Untermain finden Sie hier Home
(energieagentur-untermain.de)!